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Miguel Esteves Cardoso:
Der Mädchenfriedhof

Aus dem Portugiesischen
von Kirsten Brandt
Elfenbein Verlag
272 Seiten

€ 18,--



Kein besonders glückliches Händchen hatte der inzwischen als Portugal-Spezialist profilierte Elfenbein-Verlag mit dem jüngsten Roman des portugiesischen Kult-Autors Miguel Esteves Cardoso, dessen »O Amor é Fodido« 1994 in Portugal zumindest ob seines provokanten Titels die Aufmerksamkeit des Publikums und der Medien auf sich zog.

»Der Mädchenfriedhof« (O Cemitério das Raparigas) aus dem Jahr 1996 erzählt laut Klappentext »von den Abenteuern und Missgeschicken eines großmütigen und traurigen Mannes«. Beim Lesen allerdings entpuppt sich dieser eher als großmäulig und vor allem ziemlich durcheinander. Das zumindest hat er mit dem Buch, dessen Hauptfigur er ist, gemeinsam.

Es beginnt mit einer Art Ankündigung: »Zufällig ist die Frau, die meine Freundinnen umgebracht hat, mit mir verheiratet – sonst würde ich es nicht erzählen. Nichts.« Doch so erzählt er und erzählt, und das nicht besonders spannend.

Bis die Handlung endlich in Gang kommt, ist über die Hälfte des Romans zu bewältigen, wo sich eine stereotype Bettgeschichte an die andere reiht und, jede aufflammende Handlung in kürzester Zeit von endlosen Monologen erdrückt wird, in denen der Autor – als Erzähler nur notdürftig getarnt – über »die Frauen« schwadroniert und das Leben an sich, das selbstverständlich ein trauriges ist. Immer auf der Suche nach dem Wahren, doch auch immer schön im Einklang mit irgendeinem »Lifestyle«, wie sich das für einen etablierten Pop-Autor gehört. Ein über weite Strecken unerträgliches Gelaber, das auch die meist brillianten Dialoge zwischendurch nicht mehr retten können.

Dann endlich passiert etwas. Der Erzähler lernt eine Frau kennen, die bei ihm bleibt. Sie ist gnadenlos eifersüchtig, aber gleichzeitig erregt sie die Vorstellung von den vielen anderen Liebhaberinnen ihres Mannes. Wieder werden die vergangenen Beziehungen aus der ersten Hälfte des Buches aufgerollt. Doch die Dialoge gewinnen an Schärfe, die Beziehung wird zum Schlachtfeld und man spürt, dass Miguel Esteves Cardoso sein Handwerk beherrscht. Immer dichter wird das gewalttätige Netz des gegenseitigen nicht-Verstehens, bis die Ehefrau schließlich ihre vermeintlichen Nebenbuhlerinnen umbringen lässt und der Roman sein Versprechen aus der ersten Zeile einlöst.

Doch dieser dünne Spannungsbogen reicht nicht wirklich aus, um ein Buch zusammenzuhalten, das mindestens um die Hälfte zu lang ist. Bis zum Schluss bleibt  der Text holperig, pubertär und larmoyant, der eigentlich reizvolle Plot fasert bis zur Unkenntlichkeit aus.

Bewundernswert ist immerhin die Leistung der Übersetzerin, die dieses literarische Versuchsfeld, dessen Lektüre allzu oft zum Überblättern reizt, stilsicher bis zu Ende übersetzt hat. Eine Arbeit, um die ich sie nicht beneide. — mk



Obras disponíveis do Autor:
— Explicações de Português, € 25,90
— O Amor é Fodido, € 13,--
— Último Volume, € 19,50
— A Causa das Coisas, € 19,50
— Os meus problemas, € 19,50
— As minhas aventuras na República Portuguesa, € 19,50
— O Cemitério das Raparigas, € 19,50

»Pastilhas para tomar todos os dias« O consultório de Miguel Esteves Cardoso na clix.pt
http://mec.clix.pt

homepage oficial de miguel esteves cardoso



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