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José Saramago:
Das
Zentrum
Aus dem portugiesischen von Marianne Gareis
400 Seiten
Rowohlt
22,90
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Das Zentrum, ist Saramagos
erster Roman nach dem Nobelpreis und der letzte seiner
»pessimistischen« Trilogie, die mit »Stadt der Blinden«
/ »Ensaio sobre a Cegueira« ihren Anfang nahm. Doch im Ton der
Erzählung, ihrer Bodenhaftung und der realistischen Schilderung erinnert
viel auch an »Hoffnung im Alentejo« aus einer früheren Phase
des Autors.
Der Roman handelt von einfachen Menschen, von erniedrigten Existenzen, von
Staub und Lehm, von einem monströsen Konsumpalast und dann ganz am Schluss
auch vom berühmten Höhlengleichnis des Platon.
Cipriano Algor, vierundsechzig Jahre alt, Töpfer von Beruf und damit
Vertreter einer aussterbenden Handwerkskultur, muss sein Geschäft aufgeben,
weil niemand mehr seine Waren kauft. Das »Zentrum«, der Monopolist,
ein Koloss, der hinter Betonmauern und unter künstlicher Sonne Wohnen,
Arbeiten, Freizeit und Konsum miteinander vereint, treibt nicht nur alle
anderen Geschäfte gnadenlos in den Ruin, sondern breitet sich auch wie
ein Krebsgeschwür in der Stadt und der Lebenswirklichkeit der Menschen
aus, zwingt ihnen seinen Rhythmus und seine Bedingungen auf.
Verbissen versucht Cipriano sein anachronistisches Geschäft zu retten,
ersinnt folkloristische Nippesfiguren, mit denen er hofft, die entfremdete
Käuferschaft wieder für seine Produkte gewinnen zu können,
tüftelt, zeichnet formt und modelliert nächtelang mit der fiebrigen
Kraft des Verzweifelten und bricht dann zusammen. In einer letzten, ganz
unpathetischen Aktion kippt der Töpfer all die überflüssig
gewordenen Scherben seines Lebenswerkes irgendwo in der brachliegenden Landschaft
ab, der Archäologie kommender Generationen zur sinnvollen Verwendung,
packt seine Sachen und findet sich ab. Eine kleine Kammer in einem nicht
minder beengten, fensterlosen Appartement im Inneren des Zentrums wird
sein neues bedrückendes Zuhause hinter den glänzenden Kulissen
der reglementierten Einkaufs- und Freizeitwelt.
Doch dann wird im fünften Kellergeschoss des Zentrums eine Entdeckung
gemacht, die das Leben der Beteiligten verändert, Cipriano und seine
zu Zombies mutierte Familie ins Leben zurückruft. Tief unter dem
Einkaufszentrum befindet sich - es gibt keinen Zweifel - Platons Höhle.
Bei Bauarbeiten freigelegt. Die Protagonisten begegnen sich selbst und
erschrecken. Ein hölzerner Kunstgriff, kaum eingebettet in den Rhythmus
des übrigen Romans und doch vergleichbar mit den Figuren des Schäfers
in »Alle Namen« oder auch der Flugmaschine im unvergessenen
»Memorial«. Ein »Deus ex Machina«, der hier nun nicht
nur dazu dient, der Handlung eine Wendung ins fast utopisch Positive zu geben,
sondern auch den Leser auf den letzten Seiten noch einmal direkt vor den
Kopf stößt.
Es ist sicher das politischste Buch der Trilogie, in der vielleicht bewußt
auf die wuchtige Eleganz der beiden anderen Romane verzichtet wird. Eine
ungeschminkte Zivilisationskritik und ein fast verzweifeltes Manifest gegen
die Blindheit, das in vielerlei Hinsicht irritieren dürfte.
mk |
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José
Saramago:
A Caverna |
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