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arto lindsay: invoke Arto Lindsay:
Invoke


Righteous Babe Records

€ 19,40

Arto Lindsay ist für die brasilianische Musik so etwas wie das bucklige Männlein im Kinderlied: »Will ich in mein Gärtlein gehn, will mein Blümlein gießen, steht das bucklig Männlein da, fängt gleich an zu niesen...«. Unvermutet knarzt plötzlich auf so mancher Platte eine fies gestimmte E-Gitarre – »Arto Lindsay was here«. Wie Stan Getz, der seinerzeit in der berühmt gewordenen Version des »Girl of Ipanema« aus dem plätschernden Klangteppich der Bossa Nova hinaustrat, ins Saxophon tutete und damit einer ganzen Musikrichtung das i-Tüpfelchen aufsetzte, das sie benötigte, um auch international den Ton anzugeben.
Was auf den drei inzwischen legendären Ambitious-Lover-Alben wohl noch Spielerei mit »exotischen« Klängen war, ist für Arto Lindsay längst Lebensinhalt geworden, und statt mit der avantgardistischen Knitting-Factory der Achtziger, wo Arto seinen speziellen Gitarren-Berserker-Sound entwickelte, wird er heute in erster Linie mit Brasilien assoziiert. Und das mit Recht, schließlich ist er einer der führenden Produzenten brasilianischer Musik und drückte diversen Alben von Caetano Veloso bis Marisa Monte, Ilê Ayê oder Gal Costa seinen Stempel auf. Vinícius Cantuária und andere verdanken ihm möglicherweise ihre Entdeckung für die brasilianische Musikszene.

Auf Invoke, seiner neuesten eigenen CD, scheint es, als führte er die verschiedenen, aber vor allem die brasilianischen Stränge seiner vielfältigen Tätigkeit zusammen, und dabei fällt vor allem auf, wie sehr Lindsay selbst schon das Klangbild Brasiliens geprägt hat.

Bereits der erste Song »Illuminated« erinnert an Balladen wie »Villain« oder »Its Gonna Rain« von dem 1991er Album »Lust« der Ambitious Lovers und ist doch aus heutiger Sicht und trotz des englischsprachigen Textes fast ein brasilianischer Titel. Andererseits scheint der frühere Avantgardist Lindsay sich in Stücken wie »Predigo« an der brasilianischen Elektronik-Szene orientiert zu haben, die ihrerseits nicht unbeeinflusst ist von Lindsay früher.
Ein rundes Album ist Invoke in jeder Beziehung. Nicht nur wegen der vielfältigen Interaktionen.

Besondere Erwähnung verdient hierbei auch die Mitarbeit von »Nação Zumbi«, der früheren Band des »Mangue-Beat«-Erfinders Chico Science. Auch hier schließt sich ein Kreis, denn damals, 1993, wäre Lindsay bereits Chico Sciences Favorit als Produzent des legendär gewordenen Albums »Da Lama ao Caos« gewesen, das dann schließlich von Liminha zu seiner unbestrittenen Größe geführt wurde.

Auch Marisa Monte erweist ihrem Mit-Entdecker ihre Reverenz auf der Ballade »Delegada« und dieser kramt seinerseits das uralte »Beija-me« von 1943 aus der nie ganz eingestaubten brasilianischen Mottenkiste.

An Zitaten und Querverweisen mangelt es jedenfalls nicht auf diesem Album, dessen Name kaum besser gewählt sein könnte und das ob seiner stringenten Konzeption sicher als eines der schönsten und ausgereiftesten in die Diskographie des musikalischen Kobolds Arto Lindsay eingehen wird.

(mk)
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www.artolindsay.com










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