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Der mächtige Sound-Diskurs  – Ein Interview mit »O RAPPA«

Tübingen - Erst sind sie in Montreux aufgetreten >s. Bericht in dieser Ausgabe der novacultura <, eine Woche später dann ließen sie die Bühne auf dem Viva Afro Brasil Festival in Tübingen wackeln. Felipe Tadeu, Landsmann der Gruppe aus Rio de Janeiro, hat die Gruppe bei ihren Auftritten in der Schweiz und in Deutschland begleitet. In Tübingen interviewte er O Rappa über ihre Eindrücke auf dem »Alten Kontinent«.

Felipe Tadeu – Wir sollten beginnen mit eurem Eindruck von der Europa-Tournee 2002. Ist etwas dabei rübergekommen?

Falcão – Ganz sicher. Diese Tour durch Europa ist ganz im Einklang mit unserer bisherigen Laufbahn. Wir hatten das Glück, von Cláudio, einem Freund von Alexandre Santos (einem der Produzenten von O Rappa), der vorher mit den Paralamas hier in Europa gearbeitet hat, eingeladen zu werden, und er hat es uns ermöglicht, hier ein paar Sachen zu versuchen. Wir sind hierhergekommen, um die Band bekannt zu machen, und alles begann in Montreux, wo wir auf einem ganz untypischen Konzert gespielt haben, mit bahianischer axé-music (Daniela Mercury und Harmonia do Samba) und das Publikum uns ganz gut aufgenommen hat. Dann haben wir in Mailand weitergemacht, in Bologna, Lugano, und jetzt sind wir hier in Tübingen. Die Möglichkeit, mit ehrlicher Musik zu arbeiten, die aus dem Herzen kommt, eröffnet sich an vielen Orten, und hier zu sein ist ein Traum. In Mailand gespielt zu haben und hier in Deutschland war sehr gut, unsere Konzerte haben dieselbe Energie rübergebracht, wie die Konzerte in Brasilien.

FT — Aber es ist nicht das erste Mal, dass ihr in Europa auftretet, oder?

Falcão – Nein, das erste Mal war während der Fußballweltmeisterschaft 1998, in Frankreich und Portugal. Da gab es eine Menge brasilianischer Musiker, die damals hier gespielt haben, doch alles hing ab vom Ergebnis der brasilianischen Nationalmannschaft. Brasilien hat verloren, und es war ziemlich merkwürdig, da wir vor allem für ein brasilianisches Publikum spielen mussten. Jetzt ist es anders, wesentlich interessanter. In Montreux, zum Beispiel, haben nach uns João Bosco oder Dona Ivone Lara gespielt. Wunderbar, solche Leute zu treffen, die im Ausland derart geachtet werden! Wir bei O Rappa wollen genau das, was sie auch wollen: Gute brasilianische Musik vorführen.

FT— Wie laufen die Vorbereitungen für die nächste Platte?

Falcão – Nun, das erste, was wir tun wollen, ist die Arbeit im Studio wiederaufzunehmen, vor allem in der Situation, in der sich Marcelo Yuka derzeit befindet (der Schlagzeuger und wichtigste Komponist der Band ist seit einer Schussverletzung querschnittsgelähmt Anm.d.Red.). Er hat einen Krankengymnasten, der mit ihm reist, sitzt im Rollstuhl, es gibt einen Haufen Dinge, auf die man sich einstellen muss, damit er weiter dabei sein kann. Das ist eine neue Situation für die Band. Seit ungefähr zwei Monaten treffen wir uns wieder regelmäßig, um die Bänder anzuhören, die wir in der Zeit von »Lado B, Lado A« aufgenommen haben. Yuka ist immer dabei, jetzt, wo er den Dingen offener gegenübersteht. Wir sind am Anfang von einer Sache, die sich ganz gut anlässt. Und in der Zeit von »Lado B, Lado A« ist etwas passiert, das ganz ähnlich jetzt auch geschieht: je lockerer wir mit der Zeit umgegangen sind, desto besser ist unsere Platte geworten. Wir müssen die Arbeit wirklich mögen, bevor wir sie auf den Markt werfen.

FT- Habt ihr schon eine Idee, wer der Produzent eurer nächsten Platte sein wird?

Falcão- Es hat eine ganz gelungene Zusammenarbeit mit Tom Capone gegeben, der eine Zeit lang künstlerischer Leiter bei uns war, aber auch so eine Art Schildträger. Wir fünf von der Band und er; ein Kerl, der sich in die Arbeit einmischen darf und den wir anhören. Sicher wird Tom eine größere Rolle in der nächsten Produktion spielen. Daneben werden wir selbstverständlich noch andere Leute einladen, wie zum Beispiel Bill Laswell (der auch bei »Lado B, Lado A« mit dabei war). Unsere Zusammenarbeit war sehr gut.

FT- Und eure Plattenfirma. Setzt sie noch auf die Karriere von O Rappa? Sind sie zufrieden mit dem Verkauf eures letzten Albums »Instinto Coletivo?«

Falcão- Bevor wir auf Europatournee gegangen sind, ist der Direktor der Plattenfirma ins Studio gekommen und hat uns von der großen Überraschung erzählt. Es gibt ein Mädchen, das in Brasilien singt, Kelly Key, die mit ihrer Platte die Hitparaden abgrast und 190 000 Exemplare verkauft hat von einer CD die zwischen 15 und 19 Reais kostet, und unsere Band, mit diesem sauteuren Doppelalbum hatte schon 150 000. Wir sind glücklich mit diesen Zahlen, denn dadurch baut auch die Plattenfirma auf O Rappa, zumal die nächste Platte noch etwas auf sich warten lässt. Erst müssen wir uns auf die neue Zusammenarbeit mit Yuka einstellen, müssen Geduld haben, um die nächste Produktion zu beginnen und bis dahin mit »Instinto Coletivo« durch Brasilien reisen.

FT- Das heißt, ihr arbeitet mit der letzten Platte zumindest noch bis Ende des Jahres?

Falcão- Wir hatten geplant, eine kleine Pause einzulegen, wenn wir aus Europa zurück sind. Aber, was soll's, unser Terminkalender ist voll mit Konzerten, vier Abende pro Woche mindestens bis Ende September. Das heißt, August und September sind für Konzerte verplant, im November gehe ich nach Frankreich, damit meine Frau ihr erstes Kind dort bekommt.

FT- Alle Bandmitglieder haben eine starke Affinität zum Reggae. Was haltet ihr von »Kaya N'Gandaya« der Hommage von Gilberto Gil an Bob Marley?

Falcão- Darüber kann ich dir was erzählen! Tom Capone ist mit Gil gereist, als eine Art Spion von uns, um sich bei den Typen umzusehen, die schon mit Liminha und mit Gil bei anderer Gelegenheit gearbeitet hatten. Ich meine Sly Dunbar und Robbie Shakespeare, die beste Drum- and Baseküche der Welt. Die Kerle sind gewitzt, sie stammen noch aus der Zeit der Höhlenmenschen, haben viel mit uns zu tun und spinnen nicht rum, dass die Technik das Ende der Welt sei, verstehst du? Wir haben rausgefunden, dass die Typen nicht viel Geld wollen, wenn du mit ihnen aufnimmst, und das ist gut zu wissen. Nun, das wichtigste ist, dass die Platte von Gil wunderbar geworden ist! Sowohl die Platte als auch die Show, die ich zum Glück erleben durfte, sind phantastisch. Er in seinem Alter, geachtet in Brasilien und im Ausland ist eine Ikone unserer Kultur, was die Musik angeht. Auch wenn einige Leute dieses neue Album kritisiert haben, ist es doch unstrittig, dass nur ganz wenige Leute es sich erlauben können, Bob Marley zu singen. Und Gil ist einer davon. Er ist ein Musiker, der sich immer mit jungen Leuten umgibt, während die anderen in ihrem eigenen Saft schmoren. Gil ist einer der offensten Kerle in Brasilien, und daher kommt mein Respekt für seine Person.

Felipe Tadeu
brasilkult@aol.com
In Zusammenarbeit mit Gisela Pimentel
Übersetzung: Michael Kegler
versão em Português

Felipe Tadeu

Felipe Tadeu, 39,
ist Journalist und lebt seit 1991 in Deutschland. Er ist spezialisiert auf brasilianische Musik. Für Radio Darmstadt produziert er regelmäßig die Sendung Radar Brasil und ist auch unter dem Pseudonym DJ Fila bekannt.
email: brasilkult@aol.com


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»fogo encantado«


»Lula Queiroga«
»solo para Pina Bausch«
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