|
|
 |
Rui Zink:
Afghanistan!
übersetzt von Martin Amanshauser
Deuticke
230 Seiten
EUR 17,90
|
Die Wahrheit passt auf eine CD-ROM. Es sind 650 Megabyte, die der im Ozean
treibende Held in die Luft streckt, um sie »auf pathetische Art vor
dem Salzwasser zu schützen«, während er mit der anderen Hand
versucht, sich und sein Surfbrett irgendwohin zu bewegen und über Wasser
zu bleiben. Die traurige Karikatur eines gescheiterten Surfers ist der Beginn
eines interaktiven Literatur-Experiments im Sommer 2001, bei dem die Leser/innen
am Ende eines jeden Kapitels bestimmen, wie es weitergeht. Ein Spiel wie
Theater auf Zuruf, doch Herr der Geschichte bleibt der Autor, der dann allerdings
nicht schlecht staunte, als zwei wichtige Orte seines Romans wenige Wochen
nach dessen Beendigung in den Fokus der weltweiten Aufmerksamkeit gerieten:
New York und vor allem Afghanistan.
Alles ein Zufall, oder lag der Konflikt in der Luft und suchte sich im
subversiven Internet seinen Niederschlag?
Passen könnte es zu dem Konstrukt von Verschwörungen, das letztendlich
das Gerüst dieses Internet-Romans bildet, doch das Afghanistan, in das
der Held im Auftrag einer obskuren literarischen Bruderschaft und
natürlich ganz wider Willen gerät, hat einen doppelten Boden.
An der staubigen Oberfläche die allseits bekannten verschleierten Frauen,
die sich bald als verkleidete Agenten aller Geheimdienste der Welt herausstellen,
und tief unter der Erde das »wahre« Afghanistan. Die Nähe
zu einigen der nach dem 11. September 2001 entstandenen Verschwörungs-
und Unterwelttheorien liegt auf der Hand, doch die angeblichen Tunnelsysteme
der Taliban sind nur ein ganz müder Abklatsch dessen, was Portugals
»Surfer« bereits zuvor einen Sommer lang ausphantasiert hatten.
Und Rui Zink wäre nicht der, der er ist, und den sein österreichischer
Verlag hartnäckig »Kultautor« nennt, wenn er aus den Zurufen
des Publikums nicht eine literarisch brilliante Odyssee (oder besser vielleicht
Lusiade) durch Ober- Unter- und Traumwelten, Abgründe der Weltgeschichte
und des menschlichen Strebens in all seinen Facetten, Grotesken und auch
einige bittere Wahrheiten zusammengebraut hätte, so absurd, so
überraschend und so realistisch wie die Mediengesellschaft, die den
Roman letztlich hervorgebracht hat.
(mk) |
|
Em
Português:

Os Surfistas |
|
| Rui Zink wurde
1961 geboren, lehrt an der Universidade Nova in Lissabon und hat ganz zu
Unrecht den Ruf als Enfant Terrible der portugiesischen Literatur. |
In deutscher
Übersetzung liegen außerdem vor:
Hotel Lusitano.
Übersetzt von Martin Amanshauser.
Deuticke Verlag 1998.
>>
Apokalüpse Nau.
Übersetzt von Martin Amanshauser.
Deuticke Verlag 1999.
>>
/
>> |

O Bicho da Escrita |
|
|
|
|
nova
cultura (issn 1439-3077)
www.novacultura.de
© 2002 Michael
Kegler, sternstraße 2, 65719 hofheim /
novacultura@gmx.de
TFM-Zentrum für Bücher und Schallplatten
in portugiesischer Sprache
www.tfm-online.de
disclaimer
/
Haftungsausschluss
|
|