home

livros

música

agenda

aus deutschen verlagen

pubicações científicas

novembro / november
2002

angola

brasil

cabo verde

guiné-bissau

moçambique

portugal

são tomé
e príncipe

timor lorosae

bestellen

suchen

impressum

home

tfm-online


Milton Hatoum:
Zwei Brüder.
Übersetzt von Karin von Schweder-Schreiner


Suhrkamp
252 Seiten

EUR 22,90


Elf Jahre hat Milton Hatoum zwischen der Veröffentlichung seines ersten und seinem zweiten Roman verstreichen lassen. Nicht untätig, sondern immer wieder redigierend, umformulierend, schreibend. Mindestens sieben Versionen gäbe es von diesem Roman, verriet er einer brasilianischen Tageszeitung.

Nun ist das viel gefeierte Werk auch in deutscher Übersetzung erschienen.

Schauplatz ist, wie in seinem Debüt "Relato de um Certo Oriente", Manaus, es ist wieder ein Familienroman, und wieder spielt er im Umfeld der arabischen Einwanderer.

Doch im Mittelpunkt des Romans steht der Zwist zweier Brüder, Yaqub und Omar, Zwillinge und verfeindet wie einst ihre antiken und biblischen Vorbilder. Ein klassischer Konfliktstoff, aber auch so etwas wie der personalisierte Kampf der Kulturen und natürlich die Grundfrage aller Moral: was ist gut und was böse?

Yaqub, die Lichtgestalt, wie es zunächst scheint, wird als Kind in den Libanon, das Land seiner Großeltern, geschickt und wächst in einem Ambiente der Rückständigkeit auf. Seine Rückkehr in das Brasilien der Nachkriegszeit spielt noch einmal an auf das Drama der Einwanderung verarmter Habenichtse in ein Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten.

Sein Bruder Omar entwickelt sich derweil im mondänen Manaus zu einem von der Mutter verhätschelten Draufgänger, der sich herumtreibt und all seine Chancen in den Spelunken der Großstadt verspielt.

Der spröde Yakub ist strebsam und fleißig, verweigert aus Stolz jegliche Unterstützung durch die Familie und macht schließlich Karriere im fernen São Paulo - dem geographischen und sozialen Gegenpart zum tropischen Manaus seiner Eltern. Ein Hoffnungsträger wie er im Buche steht.

Die Wiederbegegnung der beiden ungleichen Brüder fällt schließlich zusammen mit dem Putsch von 1964. Und hier, unter der Gewalt der Militärdiktatur, kommen die menschlichen Züge des impulsiven, unbotmäßigen Omar zu Tage. Jetzt erst recht verweigert er sich jeder Ordnung, gerät in Konflikt mit der betonköpfigen Ideologie von „Gott, Vaterland, Familie“, steigt endgültig aus und verschwindet.

Der blitzsaubere Yaqub passt dagegen voll in den technokratischen Geist der neuen Zeit, er verkörpert sie - emotionslos, berechnend und ohne Rücksicht auf Verluste. Auf sein Betreiben hin fällt schließlich der Sitz der Familie, die Villa der Eltern und Großeltern, an einen einflussreichen Immobilienmagnaten. Das soziale Gefüge ist dahin. Zerstört auch die Hoffnung auf Versöhnung. Der „Fortschritt“ geht erbarmungslos über die Leichen der verbitterten Eltern hinweg.

Übrig bleibt nur der Chronist, unehelicher Sohn des indianischen Dienstmädchens und eines der beiden Zwillinge - wer von beiden der Vater ist, wird er nie erfahren. Ohne Wurzeln und als listiger Beobachter ohne eigene Bedeutung verkörpert er schließlich alles, was von der Familie geblieben ist: Erinnerung, vage Spuren und eine großartig erzählte Geschichte.


Ebenfalls wieder aufgelegt:

Brief aus Manaus
Suhrkamp Taschenbuch
236 Seiten
€ 10,--

mais livros na novacultura


em português
Dois Irmãos


»Escrever à margem da história«
– uma entrevista

»Um estilo construído com rigor e sensibilidade«
(estadão)


nova cultura (issn 1439-3077) www.novacultura.de
© 2002 Michael Kegler, sternstraße 2, 65719 hofheim / novacultura@gmx.de

TFM-Zentrum für Bücher und Schallplatten in portugiesischer Sprache www.tfm-online.de
disclaimer / Haftungsausschluss