Ein traditionell eher vernachlässigtes Forschungsgebiet der
Kolonialgeschichte ist der Anteil von Afrikanern an der
»Erschließung« ihres Kontinents für die europäischen
Kolonialmächte.
Als Träger, Dolmetscher und auch Führer von eigenen Expeditionen
standen sie nicht nur im Dienst der Kolonisatoren. Einige von ihnen verstanden
sich selbst als »Weiße« und als Vertreter der Kultur ihrer
Kolonisatoren. Diese so genannten »Ambakisten« sind für die
Autorin die »afrikanischen Pioniere par excellence« im westlichen
Zentralafrika gewesen. Sie spielen die Hauptrolle in der Verbreitung der
portugiesischen Schrift und Sprache, der Einführung neuer Kulturtechniken,
aber auch im innerafrikanischen Sklavenhandel.
Nur wenige dieser Pioniere sind namentlich bekannt geworden, und dies meist
auch nur über europäische Quellen.
Beatrix Heintze widmet sich in ihrer umfangreichen Studie den wenigen Biographien
dieser Karawanenführer. Größeres Gewicht jedoch legt sie
auf die Rolle der Karawanen an sich, die im westlichen Zentralafrika des
19. Jahrhunderts ein dichten Handels- und Kommunikationsnetz (»Das Internet
des 19. Jahrhunderts«) schufen, das sich ungeheuer flexibel den sich
rasch verändernden politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anpasste.
Der Alltag der Karawanen wiederum strahlte aus auf die Bevölkerung,
die mit ihnen in Kontakt kam, transportierte Nachrichten, Informationen,
Gerüchte und vermittelte der ansässigen Bevölkerung nebenbei
Kenntnisse über ihnen fremde Objekte des täglichen Lebens, Fertigkeiten
und Kenntnisse. So verbreiteten sich nicht nur Elemente der portugiesischen
Kultur, sondern auch Teile afrikanischer Kulturen, die bis dahin nicht
untereinander in Kontakt gekommen waren.
Trotz der komplizierten Quellenlage, die einen direkten Zugang zu einer
afrikanischen Perspektive ausschließt, gelingt es der Autorin durch
Gegenüberstellung der verschiedenen zugänglichen Informationen
und Perspektiven ein sehr differenziertes Bild der Machtstrukturen,
Wirtschaftsverhältnisse und nicht zuletzt auch des Alltags im kolonialen
Hinterland des heutigen Angola zu entwerfen. (mk) |