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Amélia Muge:
A monte


tropical music
EUR 17,--

Während alle Welt im Zusammenhang mit Portugal nunmehr den Fado bemüht und hofft, endlich, endlich die legitime Nachfolgerin der legendären Amália ins Repertoire zu bekommen, setzt Tropical-Music in bewährter Manier auf Stimmen und Stimmungen, die quer zur jeweils gängigen Strömung laufen und schickt mit Amélia Muge eine musikalische Entdeckung ins europäische Rennen, deren Musikalität so breit gefächert ist, wie der melodiöse Fundus dieses kleinen Landes am Rande des Ozeans, und dabei so charakteristisch und eigen, wie  dies auch in Portugal nur bei wenigen Künstlerinnen und Künstlern zu beobachten ist.

»A monte« - auf der Flucht bewegt sich Amélia Muge durch Gefilde lusitanischer und luso-afrikanischer Folklore ebenso sicher wie in der Poesie einer Laurie Anderson, eines Fernando Pessoa, einer Hélia Correia, eines Carlos Drummond de Andrade, einer Sophia de Mello Breyner Andresen (womit sie sich durchaus und mit Bravour in die Tradition großer portugiesischer Lyrik-Vertonung stellt). Sie erweist sich dabei nicht nur als grandiose Chanteuse sorgsam ausgewählter Texte, sondern auch als begnadete Singer-Songwriterin, die in ihrer Vielfältigkeit Affinitäten zu José Afonso, Fausto oder Sérgio Godinho nicht verleugnen kann.
Wie in den legendären Kompositionen der genannten Vorbilder, denen der auf der CD mehrfach präsente José Mário Branco unbedingt hinzuzufügen ist, steckt in jedem Stück ein ganzes musikalisches Universum, das zu entblättern und zu entziffern eine wahre Freude ist.

Ob diese Vielschichtigkeit den platten Erfordernissen des Pop-Business genügt, bleibt abzuwarten, und Irritationen beim weniger Portugal-erfahrenen Publikum sind vorprogrammiert. Immerhin, ein »Fado« ist auch im Repertoire, der sich allerdings in stimmlichen Kapriolen à la Kate Bush einerseits und hymnischer Film-Musikalität mehrfach bricht, um dann im nächsten Stück von einer zitatbeladenen und vielstimmigen Rezitation einer portugiesischen Übersetzung von »Monkey's Paw« der bereits erwähnten Laurie Anderson abgelöst zu werden.

Das programmatische Gedicht »Se não tenho outra voz« von José Saramago lässt sie indes durchaus traditionell von einer portugiesischen Gitarre begleiten, um dann im nächsten Stück wiederum den bekanntesten klassischen Komponisten Portugals Fernando Lopes Graça mit seiner eigenen Verfahrensweise zu konfrontieren und mit einem traditionellen Thema in eigener Bearbeitung zu kombinieren. Die Liste der Anspielungen, Querverbindungen, Zitate und Hommagen ließe sich noch beliebig fortführen …

»A Monte« – auf der Flucht – ist Amélia Muge ein großes Album gelungen, das alle Klippen der Plattheit und Anbiederung sicher umschifft, und die großen Momente der portugiesischen Musik in eine zeitgemäße Form überführt. Kaum zu glauben, dass so viel auf nur eine einzige CD passt. (mk)


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