Auf dem Album finden sich 14 Stücke, die im vergangenen August live
im Teatro Rival, Rio de Janeiro aufgenommen wurden, und vier Studioaufnahmen.
Die Palette der vertretenen Musiker reicht von dem unvermeidlichen Gilberto
Gil, der sich ja bereits in dem Soundtrack zu Eu, tu, eles (s.
Cinelatino
2003) und anschließend noch einmal auf São João
Vivo der Musik Gonzagas widmet, bis zu Zeca Pagodinho, der das
ländliche Universum Teixeiras und Gonzagas unterwandert und den Hörer
mit all seiner Klasse des Sambista Carioca aus der Bahn wirft.
Und dann besteht die illustre Schar noch aus Chico Buarque, Caetano Veloso,
Gal Costa, Elba Ramalho, Lenine, Sivuca, Maria Bethânia, Rita Ribeiro
und Carmélia Alves, aber am meisten auf die Pauke haut Lirinha mit
seinem Cordel do Fogo Encantado und einem neuen beeindruckenden Auftritt
dieser Gruppe, die die Kraft eines Textes zu schätzen
und hervorzuheben weiß. »Mangaratiba«, ihr Stück
auf der CD ist ein weniger bekanntes Stück des Gespanns, das mit
»Assum Preto«, »Asa Branca«, »Respeita
Januário« und »Qui nem Jiló« unsterblich wurde
in einer Komposition, die klingt als hätten Gonzaga und Teixeira sich
eines »Maracangalha« von Dorival Caymmi angenommen. Unter dem
ergreifenden Gesang Lirinhas ist es ein von den Gleisen geratener Zug der
Wünsche, der sich durch das Gebirge schlängelt in Richtung
eines übermächtigen Pasárgada.
Eine andere, die herausragt, ist Rita Ribeiro mit der »Sinfonia do
Café«, die den Eindruck verstärkt, dass die besten Stücke
der CD O Doutor do Baião die weniger bekannten des
Duos sind. So wie »Deus me Perdoe« gesungen von Zeca
Pagodinho, »Baião de Dois« von Caetano und
»Mangaratiba«, erweist sich die »Sinfonia do Café«
als weitere Preziose von Gonzaga e
Teixeira, die man einfach kennen lernen musste.
Rita Ribeiro fühlt sich wohl in diesem Zusammenspiel mit nationalen
Hochgefühlen, irgendwie im Stile der nach den States exportierten Carmen
Miranda. Die hervorragende Arbeit Wagner Tisos, der sich als Arrangeur der
Platte entschlossen hat, überall den für den Baião typischen
perkussiven Akzent zurückzunehmen, läßt »Sinfonia do
Café« zu einem der besten Momente dieses Tribut-Albums werden.
Maria Bethânia obliegt die schwere Aufgabe, »Asa Branca«
neu einzuspielen, den großen Erfolg von Gonzaga/Teixeira, während
Gal Costa mit Sivuca auf »Adeus, Maria Fulô« spielt, dessen
Text Teixeira für Sivuca geschrieben hat, und das hier ganz
anders klingt als die Version, die die Mutantes damals auf
»Technicolor« einspielten. Chico Buarque singt »Kalu«,
dessen Musik und Text von Teixeira stammt, Carmélia Alves wirft ihre
gesamte Autorität des Baião in die Waagschale und spielt jeweils
zwei Stücke mit Gil und Lenine ein. Mit ersterem »No Meu Pé
de Serra« und »Juazeiro«, und mit Lenine »Respeita
Januário« und »Qui Nem Jiló«.
Fagner, der mit Elba Ramalho die Platte dominiert beide mit je drei
Stücken singt »O Dono dos Teus Olhos«,
»Xanduzinha« und »Légua Tirana«, letzteres gemeinsam
mit der Sängerin und Schauspielerin aus Paraíba. Elba singt dann
noch »Paraíba« und »Assum Preto«, eine gewaltige
Soloproduktion Humberto Teixeiras, in der Text und Melodie in vorbildlicher
Weise in Einklang kommen. Und zum guten Schluss der CD O Doutor do
Baião (deren Titel anspielt auf die akademische Bildung Teixeiras
als Arzt und Rechtsanwalt), gibt es ein Gran Finale mit »Asa
Branca«.
Manch einer mag das Fehlen von Alceu Valença oder Dominguinhos beklagen,
doch dies schmälert das Projekt in keiner Weise, auf dessen von Gringo
Cardia sorgfältig gestalteten Umschlag das Foto von Humberto Teixeira
prangt, in einem Appartement mit Blick auf das Meer.
Felipe Tadeu
Brasilkult@aol.com
Übersetzung: Michael Kegler |