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Der poetische Baião des Humberto Teixeira
— Eine gelungene Hommage an einen Partner des großen Luiz Gonzaga

Für alle Bewunderer des Mestre Lua, den König des Baião Luís Gonzaga ist es eine höchst angenehme Überraschung, nun auch das Werk von Humberto Teixeira als CD und Dokumentation (letztere noch in Vorbereitung) aufgearbeitet zu sehen. Teixeira ist Texter unzähliger Klassiker des größten musikalischen Mythos des brasilianischen Nordosten. Sein Werk erfährt nun die gebührende Hommage in der Tribute-CD O Doutor do Baião, die kürzlich unter dem Label Biscoito Fino veröffentlicht wurde – ein Projekt, das von Ana Lontra Jobim – Toms Witwe – und Denise Dummot, der Tochter von Humberto Teixeira initiiert wurde.

Auf dem Album finden sich 14 Stücke, die im vergangenen August live im Teatro Rival, Rio de Janeiro aufgenommen wurden, und vier Studioaufnahmen. Die Palette der vertretenen Musiker reicht von dem unvermeidlichen Gilberto Gil, der sich ja bereits in dem Soundtrack zu Eu, tu, eles (s. Cinelatino 2003) und anschließend noch einmal auf São João Vivo der Musik Gonzagas widmet, bis zu Zeca Pagodinho, der das ländliche Universum Teixeiras und Gonzagas unterwandert und den Hörer mit all seiner Klasse des Sambista Carioca aus der Bahn wirft.

Und dann besteht die illustre Schar noch aus Chico Buarque, Caetano Veloso, Gal Costa, Elba Ramalho, Lenine, Sivuca, Maria Bethânia, Rita Ribeiro und Carmélia Alves, aber am meisten auf die Pauke haut Lirinha mit seinem Cordel do Fogo Encantado und einem neuen beeindruckenden Auftritt dieser Gruppe, die die Kraft eines Textes zu schätzen und hervorzuheben weiß. »Mangaratiba«, ihr Stück auf der CD ist ein weniger bekanntes Stück des Gespanns, das mit »Assum Preto«, »Asa Branca«, »Respeita Januário« und »Qui nem Jiló« unsterblich wurde in einer Komposition, die klingt als hätten Gonzaga und Teixeira sich eines »Maracangalha« von Dorival Caymmi angenommen. Unter dem ergreifenden Gesang Lirinhas ist es ein von den Gleisen geratener Zug der Wünsche, der sich durch das Gebirge schlängelt in Richtung eines übermächtigen Pasárgada.

Eine andere, die herausragt, ist Rita Ribeiro mit der »Sinfonia do Café«, die den Eindruck verstärkt, dass die besten Stücke der CD O Doutor do Baião die weniger bekannten des Duos sind. So wie »Deus me Perdoe« gesungen von Zeca Pagodinho, »Baião de Dois« von Caetano und »Mangaratiba«, erweist sich die »Sinfonia do Café« als weitere Preziose von Gonzaga e Teixeira, die man einfach kennen lernen musste. Rita Ribeiro fühlt sich wohl in diesem Zusammenspiel mit nationalen Hochgefühlen, irgendwie im Stile der nach den States exportierten Carmen Miranda. Die hervorragende Arbeit Wagner Tisos, der sich als Arrangeur der Platte entschlossen hat, überall den für den Baião typischen perkussiven Akzent zurückzunehmen, läßt »Sinfonia do Café« zu einem der besten Momente dieses Tribut-Albums werden.

Maria Bethânia obliegt die schwere Aufgabe, »Asa Branca« neu einzuspielen, den großen Erfolg von Gonzaga/Teixeira, während Gal Costa mit Sivuca auf »Adeus, Maria Fulô« spielt, dessen Text Teixeira für Sivuca geschrieben hat, und das hier ganz anders klingt als die Version, die die Mutantes damals auf »Technicolor« einspielten. Chico Buarque singt »Kalu«, dessen Musik und Text von Teixeira stammt, Carmélia Alves wirft ihre gesamte Autorität des Baião in die Waagschale und spielt jeweils zwei Stücke mit Gil und Lenine ein. Mit ersterem »No Meu Pé de Serra« und »Juazeiro«, und mit Lenine »Respeita Januário« und »Qui Nem Jiló«.

Fagner, der mit Elba Ramalho die Platte dominiert – beide mit je drei Stücken – singt »O Dono dos Teus Olhos«, »Xanduzinha« und »Légua Tirana«, letzteres gemeinsam mit der Sängerin und Schauspielerin aus Paraíba. Elba singt dann noch »Paraíba« und  »Assum Preto«, eine gewaltige Soloproduktion Humberto Teixeiras, in der Text und Melodie in vorbildlicher Weise in Einklang kommen. Und zum guten Schluss der CD O Doutor do Baião (deren Titel anspielt auf die akademische Bildung Teixeiras als Arzt und Rechtsanwalt), gibt es ein Gran Finale mit »Asa Branca«.

Manch einer mag das Fehlen von Alceu Valença oder Dominguinhos beklagen, doch dies schmälert das Projekt in keiner Weise, auf dessen von Gringo Cardia sorgfältig gestalteten Umschlag das Foto von Humberto Teixeira prangt, in einem Appartement mit Blick auf das Meer.

Felipe Tadeu
Brasilkult@aol.com
Übersetzung: Michael Kegler

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Felipe Tadeu
ist Journalist und spezialisiert auf brasilianische Musik. Für Radio Darmstadt produziert er das Programm »Radar Brasil«. Seit 1991 in Deutschland ansässig ist er inzwischen auch unter dem Pseudonym DJ Fila bekannt.
email: brasilkult@aol.com


in früheren ausgaben:

»fogo encantado«>


»Lula Queiroga«
»solo für Pina Bausch«
»Suzana Salles«

»Hommage an John Lennon«
»Ângela Rô Rô«
»Flávia Virginia«

»o rappa«

»
max de castro«
30 jahre secos e molhados


Die CD ist bei TFM zur Zeit mit einer Lieferzeit von 4 bis 6 Wochen erhältlich


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