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Ondjaki:
Bom Dia Camaradas
Editorial Caminho
138 páginas |
Zugegeben, es ist ungewöhnlich, dass von Ondjaki nun schon das dritte
Buch innerhalb kürzester Zeit auf novacultura rezensiert wird. Aber
es ist nun einmal so: dieser junge Mann aus Angola schreibt schneller als
sein Verleger Auto fährt, und wahrscheinlich auch besser.
Sein bisheriges Meisterwerk O Assobiador haben wir im Mai auf
Portugiesisch vorgestellt. Es ist die rasant-poetische Geschichte eines Dorfes,
das von einem Kunstpfeifer aufgesucht wird. Die bloße Begegnung mit
dem Erhabenen (das in so bescheidener Form daherkommt) verändert das
Leben der Menschen, reißt sie aus ihrem Alltag, versetzt sie in Rausch.
Dabei sind sie ohnehin schon allesamt ganz besondere Charaktere, die Ondjaki
mit seinem typischen liebevollen Witz porträtiert.
Fast zeitgleich ist in Portugal sein erster Roman Bom Dia Camaradas
(der zuerst in Angola bei Chá de Caxinde erschienen ist), wieder aufgelegt
worden. Dieser Roman schildert aus der Perspektive eines angolanischen
Schuljungen die Umbrüche in der Zeit um 1989 parallel zum Ende des
Schuljahres. »Bom dia, camarada« begrüßen sich die Menschen
auf der Straße, das Wort »Genosse« ist zur Anrede geworden,
ohne politische Konnotation.
Wie seinerzeit Pepetela in seinem »Der Hund und die Leute von Luanda«
hält Ondjaki der im Umbruch befindlichen angolanischen Gesellschaft
einen Spiegel vor, karikiert aus der scheinbar harmlosen Kinderperspektive
einen Sozialismus, der vielerorts zur Worthülse geworden ist und mit
fast verzweifelter Beharrlichkeit nur noch von den kubanischen »Genossen
Schullehrern« wirklich ernsthaft vertreten wird.
Leserinnen und Leser, die noch die DDR kennen gelernt haben, werden viele
Szenen wiedererkennen, auch wenn sie am »anderen Ende der Welt«
spielen.
Aber auch ohne Detailkenntnisse sozialistischer Gesellschaften lässt
sich über viele Szenen oft und herzlich lachen oder schmunzeln: Wenn
etwa eine ganze Schule in Panik verfällt über einen vermeintlich
bevorstehenden Angriff bewaffneter Jugendbanden, und just an dem Tag an dem
der Schulinspektor der Schule einen lange vorbereiteten
»Überraschungsbesuch« abstattet, alle Schüler und das
gesamte Kollegium in kühner Hatz und wilden Sprüngen über
die Schulmauer fliehen. Oder wenn die Tante aus Portugal nicht begreifen
will, dass man auf der Straße anhalten muss, wenn der Präsident
mit seiner Eskorte vorüber fährt.
Ondjakis Bom Dia Camaradas ist ein heiteres Buch voller scharfsinniger
Beobachtungen. Es hat nicht die poetische Tiefe des Assobiador, sondern
spielt bewußt mit den Mitteln des Jugendbuchs. Spielerisch ist auch
der Umgang des Autors mit Klischees, Erwartungshaltungen und kulturellen
Brüchen. Immerhin ist Angola am Ende der Achtziger auch ein Schnittpunkt
afrikanischer, europäischer (portugiesischer) und lateinamerikanischer
(kubanischer) Perspektiven. Von der Auseinandersetzung der Systeme, an die
sich heute fast niemand mehr erinnert, und dem Bürgerkrieg in Angola
ganz zu schweigen.
All diese Dramatik in Heiterkeit und listigen Witz zu verwandeln ist die
große Kunst des jungen erzählerischen Tausendsassas Ondjaki, dessen
erzählerisches Talents schon in diesem ersten Roman voll ausgelebt wird.
Eine köstliche Lektüre.
-mk- |
Todos os livros apresentados na novacultura estão
disponíveis na Alemanha através do TFM-Centro do Livro e do
Disco de Língua portuguesa:
http://www.TFM-online.de |
Ondjaki nasceu em Luanda, em 1977. Interessa-se pela
interpretação teatral e pela pintura (duas exposições
individuais, em Angola e no Brasil). Já em Lisboa, fez teatro amador
durante dois anos e um curso profissional de interpretação
teatral. No ano 2000 recebeu uma menção honrosa no prémio
António Jacinto (Angola) pelo livro de poesia actu sanguíneu.
Participou em antologias internacionais (Brasil e Uruguai) e também
numa antologia portuguesa.
É membro da União dos Escritores Angolanos. É
licenciado em Sociologia. |
outros livros disponíveis do autor
momentos de aqui, 2001
O Assobiador, 2002
Há Prendisajens com o
Xão, 2002 |
ondjaki na
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