Erstmals erscheint mit der Dissertation von Gerhard Schönberger im
deutschsprachigen Raum eine wissenschaftliche Monographie zur Literatur
Moçambiques.
Der Verfasser beschränkt sich hierbei ausdrücklich auf "Literatur
portugiesischer Sprache". Diese Einschränkung ist sinnvoll, auch wenn
damit orale Literatur oder zarte Ansätze des Publizierens in regionalen
Sprachen explizit ausgeklammert werden.
Andererseits stellt sich der Verfasser einer anderen Eingrenzungsproblematik,
die sich daraus ergibt, dass sich die portugiesischsprahige Literatur
Moçambiques zunächst unter kolonialen Bedingungen entwickelte,
wobei zahlreiche Autorinnen und Autoren ebenfalls der portugiesischen Literatur
zuzuordnen sind.
Das portugiesische Literatursubstrat dieser Zeit, das er in »Portugiesische
Klassiker«, »rassistische« und vermeintlich
»afrophile« Literatur einteilt, sei dabei klar von der
»eigentlichen« afrikanischen Dichtung abgrenzbar, sagt
Schönberger in der ausführlich recherchierten und mit umfangreichen
historischen Vorbemerkungen versehenen Studie und teilt die Literatur
Moçambique vor der Unabhängigkeit in drei Phasen ein:
»Europäisch geprägte Literatur«, »Literatur der
Rückbesinnung« und »Antikoloniale Literatur«.
Den größten Teil seiner Betrachtungen widmet er allerdings der
Zeit nach der Unabhängigkeit bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt.
Im zweiten Teil seiner Dissertation stellt Schönberger ausgewählte
Werke der mosambikanischen Literatur in ausführlichen Interpretationen
vor, die für ihn »stellvertretend für die wichtigsten
Entwicklungsstadien stehen, welche die mosambikanische Literatur durchlaufen
hat«. Er schreibt: »João Dias kann ohne Zweifel als der
erste afrikanische Schriftsteller moderner Prosaliteratur Mosambiks angesehen
werden. (...) Der "Klassiker" José Craveirinha verkörpert die
Phase der Rückbesinnung, d.h. der literarischen Hinwendung zum Mutterland
Afrika. Luís Bernardo Honwanas Werk ist der erste erzähltechnisch
ausgereifte Roman Mosambiks. (...) Ungulani Ba Ka Khosas Roman (...) steht
für die nach der Unabhängigkeit schreibende Generation (...), deren
Werke nicht mehr von den Zügen einer Protestliteratur gekennzeichnet
sind.« Mia Couto und Paulina Chiziane schließlich betrachtet
Schönberger unter dem Aspekt ihrer Bedeutung für die gegenwärtige
Schriftstellergeneration.
Schließlich wartet das Buch mit einer über 100seitigen recht aktuellen
Bibliographie zu Mosambik, mosambikanischer Literatur (auch in deutscher
Übersetzung) und anderen literaturwissenschaftlichen und
kulturwissenschaftlichen Werken zu Mosambik auf.
Insgesamt ist Schönbergers Arbeit ein nicht nur wichtiges sondern zugleich
auch für interessierte "Laien" gut lesbares Buch, das trotz des (wegen
der kleinen Auflage) recht stolzen Preises seinen Weg zumindest in die eine
oder andere Bibliothek finden sollte.
-mk- |