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virginia rodrigues Virginia Rodrigues
Mares Profundos

edge / UniversalMusic 2004

Mit dem Nachsingen berühmter Musikstücke ist es so eine Sache. Einerseits besteht die Chance, etwas vom Ruhm des berühmten Originals auch auf sich selbst abstrahlen zu lassen, andererseits ist der zwangsläufige Vergleich mit eben jenem Original oft vernichtend. Unzählige missglückte Versuche, etwa die Beatles zu covern beweisen dies. Doch gerade in Brasilien wurde mit Beatles-Adaptationen von Caetano Veloso oder Rita Lee auch bewiesen, dass es geht, wenn man es nur gut macht. Vielleicht spielt hier der in Brasilien traditionell ungezwungenere Umgang mit Cover-Versionen eine Rolle.

Die Kompositionen der musikalischen Gottheiten Baden Powell und Vinícius de Moraes gehören praktisch zum Allgemeingut der brasilianischen Musikszene, auf das man gerne einmal zurückgreift. Die Idee, gleich mal einen ganzen Song-Zyklus neu einzuspielen liegt da nahe. Virginia Rodrigues, hat sich, angeregt vom respektablen Erfolg ihrer zwei Vorgängeralben Sol Negro (1997) und Nós (1999), dazu verleiten lassen, die legendären Afro-Sambas neu aufzunehmen. Viele brasilianische Musikerinnen und Musiker – sogar Baden Powell selbst – haben dies schon vor ihr getan. Selten allerdings weckt eine Cover-Version ein solch starkes Bedürfnis nach dem Original.

Die Interpretationen – immerhin von Caetano Veloso künstlerisch angeleitet – sind wenig originell und hangeln sich, teils musikalisch arg überfrachtet, teils die Interpretin deutlich überfordernd, durch das Repertoire. Virginia Rodrigues gewöhnungsbedürftige Stimme – die andernorts ja meist als außergewöhnlich beschrieben wird – klingt langweilig und lahm. An höheren Tonlagen scheitert sie deutlich. Mir jedenfalls ist es nicht gelungen, das Album an einem Stück zu hören.

Katastrophal ist «Berimbau», das derart langweilig eingespielt ist, dass man geradezu wütend wird und sich fragt, warum die Sängerin sich ausgerechnet dieses Sujet gewählt hat, wenn es sie doch offensichtlich nicht interessiert. Das einzige wirklich hörbare und tatsächlich recht originelle Stück ist «Labareda», in dem Caetano Veloso seiner Protegeé gesangstechnisch zur Seite springt. Ein Schuft wer Böses dabei denkt!

Bleibt zu hoffen, dass Virginia Rodrigues auf ihrer anstehenden kleinen Deutschland-Tournee einen besseren Ton trifft. Dass sie dazu in der Lage ist, hat sie mit Nós schon vor Jahren bewiesen. Hier geht das Konzept auf, mit getragener Stimme den immanenten Rhythmus des afro-brasilianischen Repertoires zu kontrastieren und eine ganz neue Facette des afro-brasilianischen Klangspektrums zum Vorschein zu bringen. Die Stücke scheinen ihr dabei auf den Leib geschrieben und klingen echt, spannungsreich und in ihrer Schlichtheit oft geradezu dramatisch.

Wie dies alles in einem zweiten Aufguss derartig scheitern kann, ist erschreckend. Hoffen wir auf die echte Präsenz auf der Bühne.

-mk-

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Virginia Rodrigues live

12.03.  19:30 h
Wiener Konzerthaus
Wien


13.03.  20:00 h
Carl-Orff-Saal im Gasteig
München
14.03.  20:00 h
Frankfurter Hof
Mainz
16.03.  20:00 h
Berliner Wintergarten Varieté
Berlin

Besser:
Nós
Natasha Records 1999
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