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Joyce mit großem Orchester auf Deutschland-Tournee

JoyceHeidelberg - Langsam erreicht die Sängerin und Komponistin Joyce auch in Deutschland, was ihr zuvor bereits in Japan und England gelungen ist: Nach einer Live-Platte in Hamburg 1995 (Live at the Mojo Club) und unzähligeh Auftritten auf deutschen Bühnen kann man inzwischen von einem strategischen Standbein der Künstlerin in Europa sprechen - in einem Land, wo sich die Frauen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges immer durchgesetzt haben.

Im Juni und Juli unternahm Joyce  in Begleitung der WDR-Big Band eine ansehnliche Rundreise durch verschiedene Städte Deutschlands . Die sieben Konzerte unter dem Titel Brazil Today, stand unter unter der Leitung des Dirigenten und Arrangeurs Gilson Peranzzetta, der mit dem sechzehnköpfigen Orchester Stücke von Edu Lobo, Baden Powell e Luís Eça, Joyce und Peranzzetta selbst einspielte.

Kurz vor ihrem Auftritt im Liberty – dem Restaurant  auf dem Campus der heidelberger Universität –, gab uns Joyce dieses Exclusiv-Interview, erzählte uns von ihrer Karriere im Auslang, einem unveröffentlichten Album mit Claus Ogermann und ihren Plänen für die nächste Platte. Eine Stunde später sang sie sich mit ihrem ganzen Chrme «Canto de Ossanha», «Upa Neguinho», «Samba da Pergunta», «Essa Mulher» und «Querelas do Brasil» in die Herzen des Publikums.

Wie entstand die Idee einer Deutschland-Tournee mit der WDR-Big Band?

Es ist schon das zweite Mal, dass ich mit ihnen spiele. Es begann im Jahr 2002 mit einer Einladung des Orchesters. Sie wollten ein brasilianisches Programm spielen und luden mich und Gilson Peranzzetta als Dirigenten und Arrangeur ein. Beim ersten Mal kamen wir mit Tutty Moreno am Schlagzeug, da die Big Band keine festen Schlagzeuger hat und immer mit Gastmusikern arbeitet. Diesmal ist Amoy Ribas als Perkussionist dabei und  Márcio Bahia am Schlagzeug. Und da wir beim ersten Mal sehr gut angekommen sind, haben wir diesmal ein paar mehr Konzerte gegeben. Sieben insgesamt.

Du hast inzwischen eine starke Verbindung zu Deutschland.

Ja, ich habe hier schon einiges gemacht. Die Platte im Mojo Club, und viele Konzerte in etliche Städten. Im April haben wir auf unserer Europa-Tournee in München gespielt. Es war diesmal die einzige Stadt in Deutschland, da die Tour mit dem WDR schon fest stand. Um ehrlich zu sein ist meine Verbingung zu Europa eine eher allgemeine, wie etwa auch zu Japan. Das ist ein allgemeiner Zug der brasilianischen Musik. Sie ist recht gut unterwegs.

Erinnerst du dich an dein erstes Konzert in Deutschland?

Lass mal sehen... Vielleicht Berlin, im Quasimodo, einem Jazz-Club. Das war in den neunziger Jahren. Ich war schon in den Achtzigern in Deutschland gewesen, aber nicht um aufzutreten.

Wird deine Zusammenarbeit mit der Big Band auch ihren Niederschlag auf CD oder DVD haben?

Die Konzerte mit dem WDR werden alle aufgezeichnet, auch das in der Kölner Philharmonie. Wir haben auch auf dem Traumzeit Festival in Duisburg gespielt, vor zweitausend Leuten. Und dann im Radioprogramm des WDR selbst, das dieser Tage ausgestrahlt werden dürfte.

Immerhin gibt es Aufnahmen...

Klar, einmal aufgenommen, kann man immer eine CD daraus machen.

Du bist eine Künstlerin, die nicht unbedingt eine Band braucht, um das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Wie arbeitst du im Ausland lieber? Mit Band oder solo?

Ich spiele fast immer mit meinem Quartet. Ich an der Gitarre, Tutty Moreno am Schlagzeug, Teco Cardoso als Bläser und Rodolfo Stroeter am Bass. Gelegentlich wird das Quartett zum Quintett, wenn Nailor Proveta von Banda Mantiqueira mitkommt und Klarinette und Alt-Saxofon spielt. Wir sind viel unterwegs, sehr viel. In diesem Jahr haben wir bereits im April neun Länder bereist, und dann wieder das Rock in Rio in Lissabon gespielt. Das war ein großes Festival. Die Musiker sind zurück nach Brasilien geflogen, und ich bin nach Deutschland gegangen. Am 11 Juli treffe ich mich mit ihnen wieder in Japan.

Wie war Rock in Rio in Portugal?

Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass ich auf einem so gigantischen Festival spiele. Ich war schon zwei Mal beispielsweise in Glastonburry, in England, das wohl das größte von allen ist – wahnsinnig groß. Rock in Rio ging ein bisschen in diese Richtung, mit verschiedenen Bühnen. Wir haben in einem so genannten "Zelt" gespielt, das in Wahrheit eine riesige Freiluft-Bühne war. Tenda Raízes (Wurzeln) hieß unsere Bühne, es gab eine Tenda "Eletro", eine hieß "Um Mundo Melhor" (eine bessere Welt), wo es Diskussionen gab und auch ein paar Konzerte, es gab eine "Welt"-Bühne, für den Mainstream: Rock-Pop, das was am meisten Publikum anzieht. Im "Raízes" gab es ein ziemlich gutes Programm, mit einer Gruppe aus Madagascar, einer Flamenco-Gruppe und nach uns spielte Nguyên Lê, der vietnamesische Gitarrist, der im Pop-Jazz und Fusion ziemlich bekannt ist. Es war alles ziemlich gut, wir sind gut angekommen, es hat mir Spaß gemacht.

Japan ist vermutlich das Land, in dem du außerhalb Brasiliens am meisten Erfolg hast, oder?

JoyceIch glaube schon, obwohl England Japan den Rang ablaufen könnte. Dort habe ich auch schon seit Jahren ein treues Publikum. Seit Anfang der 90er Jahre spielen englische DJs meine alten Platten, und so kam ich zu neuen Aufnahmen für das englische Far Out - Label. Aber in Japan ist auf jeden Fall eine sehr solide, etablierte Basis für meine Musik.

Du warst zum ersten Mal vor 19 Jahren dort, und immer seit dem immer wieder. Sprichst du schon Japanisch?

Nur das Wichtigste. Im Restaurant, mit dem Taxifahrer. Ich versuche jetzt Japanisch zu lernen, weil ich der Meinung bin, es sei jetzt langsam an der Zeit dafür. Sie sind dort immer so nett und herzlich zu mir, dass ich glaube, das mindeste, was ich geben sollte, ist, mich ein wenig mehr mit ihrer Kultur zu befassen. Ich bin jetzt schon ein wenig über die "Kellner-und-Taxifahrer Phase" hinaus (lacht). Es ist aber eine ziemlich kompliziert zu lernende Sprache. Sehr schwierig.

Warum meinst du, ist Bossa Nova dort so beliebt?

Das hat verschiedene Ursachenen. Zum einen vermittelt die brasilianische Musik den Japanern, von denen man sagt, sie seien so korrekt, strebsam und organisiert, das Gefühl von Freiheit. Unsere Musik gibt ihnen Entspannung, Erleichterung, Freude, Ausschweifung. Davon ganz abgesehen, muss man sagen, dass in Japan alle fremden Kulturen gut aufgenommen werden. Es gibt für alles ein Publikum.

Wie wichtig ist das englische Label Far Out für deine Karriere in Europa?

JoyceIch glaube, das ist mit mir groß geworden, und mit Marcos Valle. Wir sind die Künstler, die am meisten mit ihnen gemacht haben. Sie haben aber auch Azimuth. Meine Zusammenarbeit mit Far Out basiert nicht auf langfristigen Verträgen. Wir machen das Platte für Platte, was für mich wunderbar ist, weil es mir die Freiheit gibt, von Zeit zu Zeit auch mit anderen Firmen zu arbeten, auf anderen Gebeieten. 2003 sind zum Beispiel zwei Platten gleichzeitig herausgekommen: Banda Maluca auf Far Out und Bossa Duets bei der japanischen Sony. Ich habe praktisch gleichzeitig zwei völlig unterschiedliche Platten aufgenommen. Eine in Rio, die andere in São Paulo. So wie Far out meine Arbeit und die von Marcos Valle in Europa bekannt gemacht hat, glaube ich auch, dass unsere Namen ihnen wiederum gut getan haben. Früher habensie nur kleine Sampler gemacht, und jetzt produzieren sie plötzlich.

• In deinem Buch Fotografei Você na Minha Rolleyflex (MultiMais Editorial) erzählst du, João Gilberto habe dir abgeraten, mit den deutschen Maestro Claus Ogermann zu arbeiten. Du hast aber doch einen Platte mit ihm aufgenommen: Joyce mit Maurício Maestro, aber die Platte ist nie erschienen. Warum eigentlich nicht. War das der Fluch des João Gilberto?

Wer weiß? Es gab viele Gründe dafür, und der wichtigste war, dass Claus das Ganze völlig unabhängig begonnen hat zu produzieren, alles bezahlt hat, die Studios, um dann alles am Ende an eine Plattenfirma zu verkaufen. Er hatte dann Verhandlungen aufgenommen mit einem Produzenten, der heute sehr berühmt ist, es damals aber noch lange nicht war; der arabeitete damals für Horizont Records von Warner. Dieses Label bezahlte das Orchester, das Claus später hineingemischt hat, die Streicher und all dies, und dann wurde das Label geschlossen und die Frage blieb im Raum: «Wem gehört jetzt eigentlich die Platte?». Der eine hatte etwas bezahlt, der andere etwas anderes. Schließlich behielt Claus die Rechte an dem Album. Es könnte also veröffentlicht werden. Ob es das wird, weiß ich nicht.

• Kurios ist, dass Claus Ogermann die für viele Leute beste Platte von João Gilberto produziert hat, Amoroso. Aber a propos João. Er hat dir einmal in New York gesagt, dass er gern eine Platte mit dir produzieren würde. Hättest du die Geduld dafür. Hast du darüber je ernsthaft nachgedacht?

Ach, sowas sagt er doch zu allen Leuten (lacht)! Das war so ein Spruch von ihm, eine Nettigkeit (lacht). Das wird nicht geschehen. Ich habe es nie ernst genommen, weil man das, was Jão sagt, nie so allzu ernst nehmen soll. Er ist eine interessante Persönlichkeit, ein Genie, aber geglaubt habe ich an diese Geschichte nie.

• Früher wolltest du vor allem als Komponistin anerkannt werden und weniger als Sängerin und Gitarristin. Ist das immer noch so?

So halb. Meine Arbeit als Komponistin ist mir wirklich sehr wichtig, aber heute meine ich, dass alles miteinander zu tun hat. Die Komponistin braucht eine Sängerin, die Sängerin ernährt die Komponistin, und auf der anderen Seite braucht sie eine Gitarristin, die dem Ganzen eine Basis gibt, weil dann die Musik so wird, wie ich sie möchte. Ich bin da, mache die Arrangements, und stelle die Band so zusammen, wie ich das möchte. Es gibt da eine große Unabhängigkeit in allem was ich mache.

• Aber diejenigen, die deinen Werdegang verfolgen, sagen, dass deine Seite als Interpretin immer stärker wird.

Ja, das glaube ich auch. Weißt du, wie das passiert? Es ist in Brasilien sehr schwer, etwas Neues zu machen. Diese Platten, die ich für Far Out gemacht habe, sind für mich sehr gut, denn da kann ich ein komplettes neues, unveröffentlichtes Repertoire einspielen. Jede Plattenfirma, die mich in Brasilien einlädt, will, dass ich die alten Hits neu einspiele. Für diese Platten, die ich in England gemacht habe, habe ich die Rechte, und kann sie in Brasilien zum Beispiel bei Biscoito Fino (wo Joyces jüngste Alben erschienen sind - a.d.R.) herausbringen. A propos: Wir haben soeben eine DVD gemacht in  Kooperation von Biscoito Fino mit TV Cultura in São Paulo. Eine Show, die TV Cultura auf ihrer eigenen Bühne aufgezeichnet haben, alles mit deren Material, und Biscoito Fino hat die Musiker bezahlt, die DVD, all diese Dinge. Im August wird alles fertig abgemischt und bis Ende des jahres soll es herauskommen.

• Und auf CD, kommt da etwas Neues?

Nein, erst im kommenden Jahr. Es gibt schon ein Projekt, das langsam Gestalt annimmt. Liebeslieder. Mit Musik von mir, aber auch von anderen, alte Sachen und in anderen Sprachen auch. Richtige Liebeslieder. Du bist übrigens der erste, dem ich das erzähle. Eine jurnalistische Sensation (lacht)! Ich glaube, wir leben in einer Welt so voller Hass, nicht wahr? Meine Platten haben sich von dieser Thematik immer weiter entfernt, haben sich mehr mit der Musik selbst beschäftigt, mit den Reisen durch die ganze Welt, und plötzlich will ich jetzt wieder zurück zur Introspektion. Ich bin jetzt älter, habe eine andere Sicht auf die Thematik, und es kann ganz interessant werden, darüber zu sprechen.

• Nicht alle Leute wissen, dass du ausgebildete Journalistin bist. Auch wenn du von der Musik lebst, schreibst du auch für Zeitungen, hast für das Fernsehen gearbeitet, aber niemals im Radio, wo das doch das der Musik am nächsten stehende Medium ist.

Ja das ist lustig, interessant, dass du das ansprichst. Ich habe noch nie Radio gemacht. Mich hat immer das Fernsehen gereizt, diese Möglichkeit, die Dinge auch visuell darstellen zu können. Meine Fernsehsendung hat mir immer viel Spaß gemacht, es ist schade, dass es das nicht mehr gibt. Es war eine Sendung von MultiRio, einer Firma der Stadt Rio de Janeiro, und wir waren mehr oder weniger dem Wohlwollen des Volkes ausgeliefert, den Launen der Bürgermeister, politischen Wechseln, dem Ende von Amtszeiten, Wahlkämpfen, Verteilungskämpfen, wer was wann sendet und solche Dinge. Aber ich glaube, wir hatten ein paar sehr gute Momenten im Fernsehen. Das Programm hatte gute chancen, auch nach außen getragen zu werden, aber aus bürokratischen Günden, weil es ein Programm der Stadtverwaltung war, gab es immer eine juristische Hürde, die dies verhinderte, und das war schade. Diese Fernsehsendung war eine der Liebschaften meines Lebens.

• Und wie lange ging die?

Es gab zwei Phasen. Die erste zog sich über das ganze Jahr 2000. Zwei Jahre später haben wir zehn Sendungen gemacht. Im Jahr 2000 haben wir 12 einstündige Sendungen produziert, die in jeweils drei Teile mit einem eigenen Thema unterteilt waren. Diese 12 Sendungen sind also in Wahrheit 36 kurze Sendungen. In der zweiten Phase hattn wir nur jeweils eine halbe Stunde un jeweils nur ein Thema. Es war phantastisch, Fernsehen zu machen. Für Zeitungen zu schreiben war schon eher Stress. Das ging im Wochenrhythmus, du musstets einmal in der Woche brilliant sein, und das war nicht leicht, das beeinträchtigte mich wirklich, ich konnte schon nicht mehr komponieren, weil mein Kopf voll war mit diesen Glossen. Aber Fernsehen nicht, das fehlt mir wirklich, denn ich glaube ich habe dort etwas geleistet. Manche Leute haben dort ihr letztes Interview gegeben, wie etwa Moreira da Silva oder Albino Pinheiro, die beide kurz darauf gestorben sind. Wir haben auch Sachen gezeigt, die sonst wenig Präsenz in den Medien hatten. Und das hat mich froh gemacht

• Als du dein Buch veröffentlich hast, sagte Nelson Mota in der Presse, du solltest doch noch zwei oder drei Bände schreiben. Hast du vor, deine Glossen zu veröffentlichen?

fotografei voce na minha rolleyflexMein erstes Buch ist ganz gut gegangen, ich hätte schon Lust noch eins zu machen, aber ich weiß nicht, ob ich Zeit habe. Als ich das Buch geschrieben habe, musste ich dem ein ganzes Jahr widmen. Ich weiß nicht, ob ich diese Zeit jezt hätte. Aber es macht mich stolz, wenn Leute, die ich sehr bewundere, wie etwa Veríssimo, kommen und sagen: «und, wann schreibst du das nächste Buch?» Es ist schön zu sehen, dass das Buch auch bei Journalisten Resonanz findet. Alle Leute waren sehr nett zu dem Buch, und ich komme dadurch zu dem Schluss, dass in all den Jahren als Musikerin auch immer eine Journalistin in mir lebte. Aber ich kann mir nicht vorstellen, anders als journalistisch zu schreiben. Ich könnte keine Belletristik schreiben, denn Belletristik mache ich schon beim Texten. Da kann ich diese Seite ausprobieren und immaginäre Dinge erzählen. Wenn ich wirklich schreibe, glaube ich, dass das selbst Leben viel interessanter ist als die Fiktion.

In Fotografei Você na Minha Rolleyflex gibt es einen Abschnitt, in dem du deine Begeisterung für die Stimme von Agostinho dos Santos beschreibst, wenn er in dem französischen Spielfilm Orfeo Negro. Magst du diesen Film von Marcel Camus?

Ich haben ihn gesehen, als ich klein war. Irgendwann hat man mich später eingeladen, ihn in Köln noch einmal anzuschauen. Ich habe es aber nie mehr getan. Das hat etwas mit Kindheit zu tun, die Musik. Der Film an sich taugt nichts, aber der Soundtrack ist faszinierend. Ich kann mich erinnern, dass die zwei Hauptdarsteller nicht gut waren, aber es gab gute Komparsen und Nebendarsteller, wie Ruth de Souza, die mich beeindruckt hat. Und Léa Garcia auch.

• Und das alte Rio.

Und das alte Rio!! Das Rio dieser Zeit ist die große Stärke dieses Films, das muss es sein. Rio de Janeiro war wunderschön. Es ist unglaublich, wie es gelungen ist, die Stadt so systematisch zu zerstören. Und das geht imme rnoch weiter.

• Funarte führt im zweiten Halbjar das Projeto Pixinguinha fort. Welche Erinnerungen hast du daran?

Nur gute. Ich glaube ich habe drei Etappen mitgemacht. Die erste1978 mit Toninho Horta; wir fuhren in den Süden, das war sehr schön. Dann, 1981, hatte ich ein Duett, dass war ein sensationeller Erfolg, im Nordosten. Das war damals die Phase mit «Clareana» (Joyces Erfolg auf dem Musikfestival der Rede Globo von 1980 - a.d.R.), das Stück war ein riesiger Erfolg ,und mit mir spielte Sivuca. Da konnte nichts schief gehen. Es gab Tage, da mussten wir Konzerte absagen, weil zu viele Leute dort waren, wie etwa in Teresina. Es gab keine Sicherheitsleute, wir mussten die Feuerwehr rufen, das war Wahnsinn, und wir hatten Angst, die Leute machen uns das Theater kaputt. Dann, 1983 spielte ich mit Leci Brandão, wieder im Süden. Und dann gab es das Projeto Pixinguinha nicht mehr. Es sollte 1997 wieder aufgenommen werden, aber ich glaube, es ist nicht passiert. Ich war unter den Künstlern, die eingeladen werden sollten, aber es kam nicht dazu. Nun sind alle Künstler, die 1997 spielen sollten, wieder eingeladen woredne mit Ausnahme von Ana de Holanda. Die arme ist jetzt Direktorin der Musikabteilung der Funarte und darf darum aus moraischen Gründen nicht selbst mitmachen. Ich hoffe, dass die neue Auflage ein Erfolg wird. Es war seinerzeit eine Erfindung von Hermínio Bello de Carvalho, einem Menschen, der zu Unrecht wenig bekannt ist. Er schuf das Projeto Seis e Meia, das Projekt Pixinguinha und hat heute ein geniales Projekt namens Escola Portátil de Música, (Mobile Musikschule), die Kinder zur Musik führen solle. Hermínio hat immer sehr gute Ideen. Er ist so einer, der viel gibt, aber wenig zurück bekommt. Irgendwann hoffe ich, dass man seine Rolle in der Musik anerkennt. Aus anlass seines siebzigsten Geburtstages soll es etwas geben, Leute in São Paulo machen eine Dokumentation über ihn. Jemand schreibt auch an seiner Biographie. Ich finde, das hat er verdient.

• Seis e Meia wurde doch von Albino Pinheiro produziert, oder?

Das waren die beiden gemeinsam, aber es war Hermínios Idee. Albino hat sie umgesetzt. Dann hat Hermínio Bello de Carvalho das ganze auf eine gesamt-brasilianische Ebene gehoben, als Projeto Pixinguinha.

• Eine letzte Frage: Milton Nascimento hat «Mistérios» aufgenommen, Elis Regina «Essa Mulher», Maria Bethânia «Da Cor Brasileira» ... Welche Interpretation eines deiner Stücke hat dich am meisten ergriffen?

Ich bin sehr stolz, dass Elizeth Cardoso etwas von mir gesungen hat. Das war ein großer Moment für mich als Komponistin. Ich freue mich immer, wenn junge Sängerinnen und Sänger Stücke von mir singen, meine Töchter Clara und Ana, die in Japan Platten aufgenommen haben. Ich sehe darin eine Kontinuität meiner Arbeit. Wenn die Banda Mantiqueira «Feminina» spielt, arrangiert von Nailor Proveta, das ist auch sehr gut. All das macht mich sehr ergriffen.

Felipe Tadeu
Brasilkult@aol.com
Übersetzung: Michael Kegler

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Felipe Tadeu
ist Journalist und Spezialist für brasilianische Musik.
Auf Radio Darmstadt produziert er regelmäßig die Sendung »Radar Brasil«.
Er lebt seit 1991 in Deutschland und ist inzwischen vor allem unter dem Pseudonym DJ Fila bekannt.

email: brasilkult@aol.com


in früheren ausgaben:

»fogo encantado«


»Lula Queiroga«
»solo für Pina Bausch«
»Suzana Salles«

»Hommage an John Lennon«
»Ângela Rô Rô«
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