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Hans StadenManfred-Guido Schmitz (Hg.):
In der Gewalt der nackten Menschenfresser.
Wie der deutsche "Robinson Crusoe" vor mehr als 450 Jahren nur knapp den grausamen Bäuchen brasilianischer Ureinwohner entkam.

M.-G. -Schmitz-Verlag 2004
EUR 14,00

Ob es jemals Kannibalismus in der Form, wie ihn Hans Staden beschreibt, gegeben hat, ist mehr denn je umstritten, dennoch ist seine "Wahrhaftige Historie der wilden, nackten, grimmigen Menschenfresser-Leute" aus dem Jahr 1557. Neben Caminhas Schreiben über die Entdeckung Brasiliens vermutlich eine der bekanntesten Abhandlungen über die frühe Kolonie Brasilien und nebenbei ein Klassiker der literarischen Bearbeitung der Anthropophagie, die ihrerseits bekanntermaßen den Gründungsmythos des brasilianischen Modernismus darstellt.

Um 1547 will Hans Staden aus Homberg/Efze eigentlich nach Indien, entschließt sich aber - als er kein Schiff ans Reiseziel findet - an Bord eines Handelsschiffes nach Nordostbrasilien zu segeln. Nach der Rückkehr tritt er in spanische Dienste und fährt mit der Flotte des neuernannten Statthalters für das La-Plata-Gebiet erneut nach Südamerika, erleidet dort Schiffbruch, und so verschlägt es ihn in die portugiesische Siedlung São Vicente. Nach Auseinandersetzungen mit den Tupinambá wird die Siedlung zum Fort ausgebaut. Hans Staden wird Kommandant dieser Befestigung. Etwa 1553 wird er bei einem Jagdausflug von den Tupinambá gefangengenommen und rund zehn Monate lang festgehalten. Schließlich kommt er mit Hilfe der Franzosen, die gute Beziehungen zu den Tupinambá unterhalten, frei und kehrt 1555 nach Deutschland zurück. Über sein weiteres Leben ist nicht allzuviel bekannt, außer dass er als Pulvermüller und Seifensieder tätig war und vermutlich an der Pest starb.

Stadens Bericht über seine Zeit in Brasilien erlebte mehrere Auflagen als Reprint und Bearbeitung. Die Faszination, die von seiner abenteuerlichen Schilderung ausgeht, ist ungebrochen. Ich den achtziger Jahren erschienen zwei neuere Übertragungen ins Hochdeutsche von Ulrich Schlemmer (1982, Edition Erdmann, Greno Verlag, mehrere Auflagen, alle vergriffen) und Karl Fouquet (1981, Trautvetter & Fischer Verlag, 5. Auflage 1995). Nun hat Manfred Guido Schmitz eine weitere Version vorgelegt, die Stadens "wahrhaftige historia", als "völkerkundliches Sachbuch - und zwar von allererstem Rang" (Schmitz) in eine literarische Beziehung zu Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe stellt und seine Lesbarkeit als Abenteuerroman betont. Die Überarbeitung in heutiges Deutsch ist gelungen. Etwas mehr Distanz wünscht man sich im Hinblick auf das Postulat der "Authentizität" der "wahrhaftigen historia", die bekanntermaßen viel von den Projektionen seines Autors transportiert, gerade in Hinblick auf das "Menschenfressertum".

mk


Alle auf www.novacultura.de vorgestellten Bücher sind in Deutschland beim TFM-Zentrum für Bücher und Schallplatten in
portugiesischer Sprache <
http://www.TFMonline.de> erhältlich.

Weiterhin lieferbar:


Hans Staden
Hans Staden: Zwei Reisen nach Brasilien. In die Sprache der Gegenwart übertragen von Karl Fouquet. Trautvetter & Fischer 1995,  EUR 15,00

Pero Vaz de Caminha

Pêro Vaz de Caminha: Das Schreiben über die Entdeckung Brasiliens. Übersetzt von Robert Wallisch, TFM 2000, EUR 17,80


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© 2004 Michael Kegler, sternstraße 2, 65719 hofheim / novacultura@gmx.de

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