| Als António Lobo Antunes 1973 aus dem Kriegsdienst
zurückkehrte, den er als Sanitätsoffizier im Vernichtungskrieg
gegen die angolanischen Befreiungsbewegungen abgeleistet hatte, war er ein
gebrochener junger Mann. Wie ein waidwundes Tier beginnt der junge Lobo Antunes,
der inzwischen als Psychiater in einem Lissaboner Krankenhaus arbeitete,
gegen die eigene quälende Erinnerung anzuschreiben:
Elefantengedächtnis, sein erster Roman, der in Portugal längst
zu den modernen Klassikern gehört, ist nun, zum 25jährigen
literarischen Jubiläum des Autors, endlich auch auf Deutsch erschienen.
Erzählt wird darin ein Tag im Leben eines jungen, aus dem Krieg
heimgekehrten Psychiaters, der wie ein waidwundes Tier versucht, gegen die
eigene quälende Erinnerung anzuschreiben
Wie Dämonen suchen ihn die Bilder aus dem Kolonialkrieg heim, doch nicht
nur sie ätzen sich in seine Seele. Die ganze verstaubte Gesellschaft,
die Familie, dieses großbürgerliche Netzwerk aus nach Naphtalin
stinkenden alten Tanten und gespenstisch-autoritären Vätern,
Großvätern, Großonkeln - Kollaborateure des Faschismus,
die nicht im Traum daran denken, abzudanken - , dazu eine auf das tragischste
gescheiterte Ehe, treiben ihn in übermäßigen Alkoholkonsum
und nur schwer erträglichen Zynismus. Schmerz schlägt in Hass um
und wird körperlich. Die Unruhe und Getriebenheit des Protagonisten,
dessen Nähe zum Autor fast physisch greifbar wird, überträgt
sich unweigerlich auf den Leser, die Irrenanstalt wird zur Metapher, die
sich in all den anderen großen Romane, die Lobo Antunes in der Folgezeit
geschaffen hat, in immer neuen Variationen wiederholt. Elefantengedächtnis
liest sich wie ein Prototyp dieses gewaltigen, verschachtelten, und noch
lange nicht abgeschlossenen Gesamtwerks, mit dem sich Lobo Antunes mit jedem
Roman neu den immer gleichen Hass von der Seele schreibt. |