Raduan Nassar
Das Brot des
Patriarchen
Übersetzt von Berthold Zilly
120 Seiten
Suhrkamp Verlag, 2004
EUR 18,90 |
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| Unter dem Blick des Patriarchen sitzen sie am ländlichen
Familientisch, hören seine Reden von alttestamentarischer Wucht. Der
siebzehnjährige André droht darunter ebenso zu ersticken wie
unter der übergroßen Zärtlichkeit der Mutter. Als er bemerkt,
wie haltlos, wie leidenschaftlich seine Liebe zu seiner Schwester Ana ist,
flüchtet er und sprengt damit die Scheinidylle der Familie. André
selbst erzählt seine Geschichte, nachdem sein Bruder Pedro ihn aus einer
schäbigen Kleinstadtpension zurückgeholt hat, eine Heimkehr, die
nicht in Versöhnung enden kann.
In einer lyrisch gedrängten, assoziationsreichen Sprache erzählt
der Roman von einer Familie, in der die Autorität des Vaters und die
von ihm erzwungene Abgeschlossenheit gegensätzliche und ambivalente
Verhaltensweisen provozieren: Flucht und Unterwerfung, Auflehnung und Verehrung,
Rivalität und Solidarität, Haß und Liebe.
Wenige Texte haben die Lebenswirklichkeit Lateinamerikas, aber auch
Grundkonstellationen menschlichen Lebens so prägnant, so aufgeladen
mit vielfacher Bedeutung ins Wort gesetzt. Ein "Rulfo Brasiliens" wurde Raduan
Nassar deshalb genannt.
Lavoura Arcaica, in Brasilien seit seinem Erscheinen 1975 als Meisterwerk
erkannt (und derzeit in Brasilien vergriffen), wurde 2001 von Luiz Fernando
Carvalho verfilmt. Die 1978 veröffentlichte Novelle Um copo de
cólera (dt. Ein Glas Wut) festigte den Ruf des Autors. 1997 erschien
ein Band mit fünf kürzeren Erzählungen (Menina a caminho).
Kaum je wurde ein Autor mit einem so schmalen Werk so berühmt. |
-Pressetext des Verlages-
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