Rui Zink
Dádiva
Divina
301 páginas
Publicações Dom Quixote, 2004 |
Samuel Espinosa ist Privatdetektiv in New York, der Stadt der Privatdetektive.
Von einer dubiosen Organisation erhält er den Auftrag, jemanden zu suchen,
dessen Phantombild den landläufig bekannten Abbildungen von Jesus Christus
nicht unähnlich ist.
Ausgestattet mit einem schier unerschöpflichen Budget, einer nur diffusen
Vorstellung von seinem Auftrag aber umso konkreteren Anweisungen bricht Espinosa
auf. Nach Addis Abeba, Rom, Johannesburg. Rui Zinks Freude an Domino-artigen
Odysseen, wie sie sich zuletzt in
Afghanistan (Os Surfistas) auf das
anarchischste manifestierte, feiert auch hier fröhliche Urstände.
Espinosas Kontaktleute in Äthiopien sind zwielichtige aber höchst
religiöse Kopten, die Reise nach Rom ist ein Trip, hervorgerufen duch
halluzinogene Pilze. Ein katholischer Priester versucht dort, ihn zu töten.
In Moçambique stirbt er schließlich tatsächlich
am tödlichen Biss einer Mamba.
Und wacht wieder auf. In einem Heim für Aids-Waisen rettet ihm eine
HIV-infizierte Bluttransfusion das Leben. Stirbt und verliebt sich, wie es
so schön knapp im Klappentext des Buches heißt, in seine
Lebensretterin, Graça, die in die Jahre gekommene Betreiberin des
Waisenheimes, auch sie eine überlebende, und spätestens hier wird
klar, dass der angebliche Humorist Rui Zink eine Geschichte erzählt,
die weit gehaltvoller ist, als die chaotisch-fröhliche Odyssee eines
atheistisch-jüdischen Hinterhofdetektivs aus New York.
Wiederauferstanden und dadurch unweigerlich dem Tode geweiht, setzt Espinosa
seine Reise fort, landet in Lissabon und begegnet dort endlich dem Messias,
der mit anderen obdachlosen Drogenabhängigen untoten Zombies
in einem stillgelegten Eisenbahntunnel haust. Das Interesse der
amerikanischen Auftraggeber indessen richtet sich genau auf diese
Unsterblichkeit, deren genetischen Code sie entschlüsseln und kommerziell
nutzen möchten.
Zum Happy End gelingt es, gerade noch einmal, die Welt vor dem industriell
hergestellten ewigen Leben bewahren.
Wie das übrigens nie übersetzte O
Suplente wird auch dieses Buch vermutlich von jenen missverstanden werden,
die Rui Zink immer noch für einen oberflächlichen
Underground-Pop-Chaoten halten, der er nie war. Das Buch ist witzig
jawohl und warum auch nicht , doch die profunde und anspielungsreiche
Auseinandersetzung mit den Grundlagen menschlicher Existenz unter den Bedingungen
"postindustrieller", "globalisierten" Gesellschaftskonstellationen könnte
eindringlicher nicht sein, in einem "ernsthaften" Roman vermutlich schon
gar nicht.
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Michael Kegler |
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Rui Zink wurde 1961 in Lissabon geboren. Er arbeitet als
Dozent für portugiesische Literatur an der Universidade Nova in
Lissabon.
1984 erregte er landesweit Aufsehen als Organisator der Ausstellung und
Veranstaltungsreihe "Pornex 84". Er promovierte als erster Portugiese über
Comics und graphische Literatur.
Sein erster Roman Hotel Lusitano erschien 1987. Er veröffentlichte
Erzählungen, Comics, Theaterstücke und schrieb zuletzt das Libretto
für die Oper
Os Fugitivos, die 2004 in Lissabon uraufgeführt
wurde.
Daneben sind seine Auftritte im portugiesischen Fernsehen ebenso unvergessen
wie die provokativen Performances mit der Gruppe
Felizes da Fé.
Auf deutsch sind erschienen:
Hotel Lusitano.
Übers. von Martin Amanshauser. Deuticke 1998
Apokalüpse
Nau.
Übers. von Martin Amanshauser. Deuticke 1999
Afghanistan.
Übers. von Martin Amanshauser. Deuticke 2002 |
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