São Tomé und Principe, ein Land bestehend aus zwei vulkanischen
Inseln von insgesamt 960 km² Größe, mit ca. 150.000 Einwohnern,
gelegen im Atlantischen Ozean, Zentralafrika "Am Äquator", gekennzeichnet
von tropischem Klima und einer ausgedehnten Regenzeit von Mai bis September.
Bis in die 1970er Jahre weltgrößter Kakaoexporteur, portugiesische
Kolonie bis 1975.
Miguel Sousa Tavares, Sohn von Sophia de Mello Breyner Andresen und einer
der bekanntesten Journalisten Portugals, situiert die Handlung seines 2003
mit großem Erfolg in Portugal erschienenen Romans im São Tomé
zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Sein Protagonist Luis Bernardo Valença, 37 Jahre alt, unverheiratet,
ein intellektueller Müßiggänger, hat von seinem Vater die
Stellung als Eigner der Schifffahrtsgesellschaft "Insular" übernommen.
Er frequentiert die Salons der portugiesischen Hauptstadt Lissabon und beteiligt
sich rege an der politischen Diskussion um die Kolonialfrage und die Zukunft
der portugiesischen Kolonialpolitik.
König Dom Carlos wird auf Luis Bernardo, der eine modernere Kolonialpolitik
fordert, aufmerksam und bietet ihm den vakanten Gouverneursposten in der
Überseekolonie São Tomé e Príncipe an. Seine Aufgabe
soll darin bestehen, den ebenfalls bald auf den Inseln eintreffenden britischen
Gouverneur, davon zu überzeugen, dass auf den Kakaoplantagen São
Tomés keine Sklavenarbeiter mehr beschäftigt werden und so zu
verhindern, dass England die Kakaoimporte aus São Tomé
boykottiert.
Luis Bernarndo akzeptiert nach längerer Überlegung und einer
gescheiterten Liebesaffäre mit einer verheirateten Frau das Angebot
des Königs, ohne zu ahnen, welche heikle Mission ihn fern seines gewohnten
Lissabonner Alltags in der tropischen Hitze São Tomés erwartet.
Die portugiesischen Plantagenbesitzer zeigen sich von Anfang an wenig kooperativ,
das Klima macht ihm ebenso zu schaffen wie der fehlende intellektuelle Austausch,
und die Situation der Arbeiter auf den Plantagen ist weit schlimmer als
befürchtet. Als Luis Bernardo auch noch in intensiven Kontakt mit dem
aus Indien eingetroffenen englischen Gouverneur David Jameson und dessen
Frau Ann tritt, sinkt das Vertrauen der weißen Bevölkerung, die
sich an ihre Privilegien klammert, rapide.
Mehr soll an dieser Stelle vom Inhalt des opulenten, in der deutschen
Übersetzung knapp 500 Seiten umfassenden Romans nicht verraten werden.
Miguel Sousa Tavares erzählt gut recherchiert, durchaus kritisch und
mit nur ganz wenigen Längen ein Stück portugiesischer
Kolonialgeschichte aus einem der am wenigsten bekannten lusophonen Länder.
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