Mísia
Drama Box
Tropical Music 2005
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Ganz verstanden habe ich es nicht: Mit fünf Stücken in spanischer
Sprache und einem entbehrlichen Gastauftritt von Ute Lemper als
mittelmäßige Gedicht-Rezitatorin gibt sich Drama Box, die
neueste Platte der begnadeten Mísia, den Nimbus des Provokanten,
Experimentellen. Warum?
Soll man wieder erst einmal verwirrt den Kopf schütteln, wie damals,
1993, als Mísia mit der genialen CD unter dem schlichten
Titel Fado debüttierte und die portugiesische Musiknation
allein deswegen irritiert war, weil ihre herrlichen Fados aus der Feder der
ehemaligen Protest- und Volkssänger Sérgio Godinho und Vitorino
stammten und Texte von José Saramago bis António Lobo Antunes
intoniert wurden?
Längst natürlich ist dieses spektakuläre Album in den Kanon
der Klassiker aufgenommen und die Modernisierung des Fado hat ganz andere,
weit weniger interessante Blüten getrieben. Auch Mísia ist
weitergezogen.
Und nun kehrt sie zurück und singt herrliche Fados, moderne Fados mit
phantastischen Texten. Und diese stammen wieder von Dichtern, die dem klassischen
Kanon der Fado-Poeten nicht angehören: Vasco Graça Moura, dessen
Ironie sich in einem «Fado über den Gemeinplatz» Bahn bricht,
von Natália Correia (deren «E se a morte me despisse» zum
heiteren Fado Corrido wird, der sich über den Tod lustig macht) und
Rosa Lobato de Faria. Sogar ein Gedicht von José Luís Peixoto
wird vertont, dessen letzte musikalische Eskapade in einer aufsehenerregenden
Zusammenarbeit mit den Düster-Rockern von
Moonspell mündete.
Neun gnadenlos gute, schöne, gnadenlos intelligente Fados; und letztendlich
ergibt dann auch die Kombination mit anderen «Musikstilen des
Südens», Tangos und Boleros wie «Naranjo en Flor», dem
aufsehen erregenden «Los Mareados» oder «Yo Soy Maria»
einen Sinn und beweist, dass der Tellerrand des reinen Fado sehr niedrig
ist, wenn man über eine entsprechende Stimme verfügt und das
entsprechende Arrangement.
Meine Empfehlung: Überspringen Sie die Stücke 1 und 2 und hören
Sie die Platte dann. Sie werden sie lieben! Und dann überspringen Sie
noch einmal die wirklich deplatzierte Gedicht-Rezitation am Ende und hören
die Platte von Anfang an neu durch, und dann wieder und wieder. Sie
singt einfach gut, die Mísia auch auf Spanisch. Doch ihre
allerbesten Stücke sind und bleiben die Fados. Da kann sie machen, was
sie will. |
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-mk-
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Alle auf novacultura besprochenen Titel sind in Deutschland
über das TFM-Zentrum für Bücher und Schallplatten in
portugiesischer Sprache
http://www.TFMonline.de
erhältlich. |
Homepage
http://www.misia-online.com/
Am 16. Oktober wird Misia im Münchner Prinzregententheater die
Rolle der Anna in dem Stück Die sieben
Todsünden von Kurt Weill singen. Unter der Leitung des Dirigenten
Lawrence Foster und gemeinsam mit dem Ensemble Amarcord und dem Münchner
Rundkfunkorchester wird Misia ganz neue Wege beschreiten weit entfernt von
ihrem bisher bekannten Repertoire. Im Januar 2006 kann man sie dann wieder
live in Deutschland mit ihren neuen Drama Box Programm erleben,
das sie bereits im Juli in Freiburg mit viel Erfolg vorgestellt hat..
Termine im Januar 2006:
21.1. Lörrach,
Burghof.
Kartentelefon: 07621 9408911
23.1. Düsseldorf,
Capitol Theater.
Kartentelefon: 0180 5152530,
25.1. Berlin, Arena. Kartentelefon: 030 61101313,
26.1. Darmstadt,
Centralstation,
Kartentelefon: 06151 3668899,
30.1. Hamburg,
Theater im Hafen,
Kartentelefon: 040 4132260,
Tournee: Musicas / Karsten Jahnke |
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