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Lídia Jorge: MileneLídia Jorge
Milene

Übersetzt von Karin von Schweder-Schreiner
544 Seiten
Suhrkamp Verlag 2005
EUR 24,80

Grossmutter Regina Leandro ist aus einem Krankenwagen geflohen und wird später tot vor dem Eingang der alten Konservenfabrik von Valmares gefunden. Milene, die Enkelin, die bei ihr lebte, beerdigt sie allein, die Verwandten sind im Urlaub.Milene, von einfachem Gemüt, geistig etwas zurückgeblieben, versucht nun die richtigen Wörter zu finden, um den Verwandten den Tod der Grossmutter zu beschreiben. Milenes Tanten und Onkel der Familie Leandro gehören zur wohlhabenden Oberschicht des Ortes. In der alten Fabrik - 1908 gegründet - lebt inzwischen eine Großfamilie aus Cabo Verde zur Miete. Milene, völlig erschöpft von den Ereignissen um den Tod der Grossmutter, sprachlos zunächst, wird dort herzlich aufgenommen und bleibt über Nacht.

So spielt der Roman in zwei Welten: Hier die Geschichte der Konservenfabrik , Milenes Tanten und ihre Männer und Ehemänner, die Kusinen und Vettern, darauf bedacht, dass ihr Ansehen durch den einsamen Tod der alten Frau keinen Schaden nimmt. Es gilt nun allerlei Interessen zu verteidigen, politische und finanzielle. Die Fabrik soll verkauft werden. Das Gelände in Strandnähe bietet sich für ein modernes Großprojekt an. Auf der anderen Seite die Familie aus Cabo Verde um die alte Ana Mata, deren Töchter und Enkel. Die Tochter Felicia ist stolz auf den Sohn Janina, der gerade eine vielversprechende Karriere als Sänger beginnt. Zwischen Felicias jung verwitwetem Sohn Antonino, Kranfahrer, Vater zweier Kinder, und Milene entspinnt sich eine schüchterne Liebe. Als die Leandros endlich davon erfahren, ist die Empörung groß. Es ist immer wieder Milenes unvoreingenommener Blick auf die Menschen und die Ereignisse, der die Atmosphäre des Romans prägt. Von den Verwandten als die arme kindliche Waise angesehen, beweist Milene gerade in der Beschränktheit ihrer kleinen Welt in all ihrer Unschuld eine grosse menschliche Wärme und Tapferkeit.

Am Ende kauft ein Holländer, Bauherr internationaler Grossprojekte, das Grundstück mit der denkmalgeschützten alten Fabrik, Milene kann ihren Antonino heiraten, die Familie der Matas kommt in einer neuen Siedlung unter. Doch bis all dies so weit ist, gilt es einige Hindernisse zu überwinden, die den Spannungsbogen des Romans halten. Am Ende, auf Milenes Hochzeit, ahnt ihre Lieblingskusine, angereist aus den USA, dass die Hindernisse nicht auf die anständigste Weise behoben wurden. Alles scheint gerettet - beide Welten bleiben bestehen und die Moderne kann in Valmares einziehen.

Ray-Güde Mertin

Todos os livros e CDs apresentados na novacultura estão disponíveis na Alemanha através do TFM-Centro do Livro e do Disco de Língua portuguesa: http://www.TFMonline.de

Lídia Jorge wurde 1946 in der Ortschaft Boliqueime in der Algarve geboren. Ihre Jugend verbrachte sie dort als Einzelkind bei der Mutter und anderen weiblichen Familienmitgliedern. Alle Männer, der Großvater, der Vater und dessen Brüder, waren ins Ausland abgewandert. Die Abwesenheit der Männer, der enge Kontakt mit der ländlichen Umgebung, mit dem "Geruch der Erde", dem Wechsel der Jahreszeiten prägten ihre Kindheitserlebnisse ebenso wie die vielen wunderbaren, oft wundersamen Geschichten, die man sich dort erzählte. Nach ihrer Schulzeit in Faro zog sie nach Lissabon und studierte Romanistik. Während des Kolonialkrieges hielt sie sich mit ihrem ersten Mann, einem Offizier der Luftwaffe, einige Jahre in Afrika auf: zunächst in Angola (1969 - 1970), dann in Mosambik (1972 - 1974).
Nach ihrer Rückkehr unterrichtete sie an einem Gymnasium in der Hauptstadt, arbeitete für das portugiesische Erziehungsministerium und lehrte an der Universität Lissabon Literaturwissenschaft.
Ihr literarisches Werk wurde mit zahlreichen bedeutenden Preisen bedacht. In Deutschland erhielt sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin Karin von Schweder-Schreiner im Dezember 2005 den erstmals vergebenen Literaturpreis Albatros der Günter Grass-Stiftung.


Die 2003 erschienene portugiesische Ausgabe O Vento Assobiando nas Gruas wurde in Portugal unter anderem mit dem «Grande Prémio APE» sowie dem «Prémio Literário Correntes d'Escritas» ausgezeichnet.
Originalausgabe:
Lídia Jorge: O vento assobiando nas Gruas


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