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Cibelle: The Shine of dried electric leavesCibelle
The shine of dried electric leaves


Crammed Discs 2006


Brasilien ist nicht gerade arm an außergewöhnlichen Interpretinnen. Da geht man an jede Neuerscheinung mit einer gewissen Skepsis heran. Ein Titel wie "The shine of dried electric leaves" macht zumindest neugierig, nährt aber auch gleich die Angst vor noch einem Brazil-Lounge-Chillout-Gedudel.

Welch eine Überraschung, als endlich die CD selbst zu spielen beginnt. Schon nach wenigen Takten ist jede Skepsis einer fast bedingungslosen Begeisterung gewichen.

Subtil und voller guter Ideen zappt sich Cibele durch ein Repertoire, das von Tom Waits bis zu Tom Jobim reicht, und ihr englischer Titel des Albums entpuppt sich als Reminiszenz an die Londoner Jahre des damals noch langhaarigen Caetano Veloso: My eyes, they're looking for flying saucers in the sky … Fast meint man, Caetano selbst sänge da im Duett mit Cibelle. Doch es ist nur Devendra Banhart, der bisweilen klingt wie der ganz frühe Marc Bolan. Genial!

Genial auch die Arrangements, die durchaus tropicalistische Qualitäten haben und mit Instrumentierungen aufwarten, die gelinde gesagt, außergewöhlich sind: Harfe, Glockenspiel, Marimba, aber auch Löffel, Straßengeräusche, fliegende Untertassen, Löffel und ein Moleskine Taschenkalender …

Wer aber bei der Erwähnung von Caetano Veloso   jedoch an Araçá Azul denkt, ist schon wieder auf dem Holzweg. Cibelles Soundtüfteleien ergeben eine harmonische, mitreißende Melange aus brasilianischen Klängen aller Couleur, auch wenn sie bisweilen auf Englisch singt. Auch dies machte Caetano ihr seinerzeit vor. Und sicherlich standen sein Londoner Album und Transa nicht nur bei Cibelle im Plattenregal. Viele Sounds auf ihrem Album sind direkte Zitate (auch aus Araçá Azul, muss man sagen).

Ist es nun ein tropicalistisches Album? Wahrscheinlich nicht, denn die ästhetischen Rahmenbedingunen sind andere heutzutage, und man sollte sich hüten, alle paar Jahre eine neue Tropicália auszurufen. Es sind auch Elemente auf dem Album, die an Tom Zé und Arrigo Barnabé erinnern – wieder ohne die ihnen nachgesagte Sperrigkeit.

Vielleicht ist es das, was Cibelles neues Album so außergewöhnlich macht: Dass der radikale Experimentalismus hier einladend wirkt, harmonisch, melodisch und gnadenlos schön.

-mk-


Alle auf  novacultura besprochenen Titel sind in Deutschland über das TFM-Zentrum für Bücher und Schallplatten in portugiesischer Sprache http://www.TFMonline.de erhältlich.




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