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Paulinho Assunção

Der Ersatz

Der Hinkefuß, was mein Bruder ist, brachte die Katze nach Hause. Am Anfang haben wir die Katze nassgespritzt, haben die Hunde auf sie gehetzt, haben die Tür zugemacht. Aber sie kam immer wieder zurück.

Dann haben wir überlegt, sie zu töten, und haben uns für sie einen grausamen Tod ausgedacht, wollten ihr den Schwanz in Brand stecken. Aber sie kam immer wieder zurück, saß da auf dem Tisch, miaute, schaute uns an mit diesen rätselhaften Augen, wie sie Katzen eben haben.

Nach einiger Zeit ging mein Bruder, der Hinkefuß, fort. Mit dem Zug, sagte, er wolle sich ein eigenes Leben aufbauen weit weg, irgendwo jenseits der Berge.

Wir fragten, ob er die Katze mitnehmen wollte. Er sagte:

„Nein. Ich habe sie nur mit nach Hause gebracht, weil sie mir über den Weg gelaufen ist.“

Mit diesen Worten ist unser Bruder, der Hinkefuß, gegangen. Und die Katze blieb. Die Katze fand immer einen Weg ins Haus. Die Hunde taten ihr schon nichts mehr. Und wir auch nicht. Sie schlief irgendwo in einer Ecke, miaute, schaute uns an. Sie war zur Hauskatze geworden.

Unser Bruder, der Hinkefuß, hat nie geschrieben, niemand brachte je Nachricht von ihm, nie erreichte uns Nachricht darüber ob er tot war oder lebte. Wir vermissten ihn schon. Aber das wurde mit der Zeit auch weniger, vielleicht verschwindet es irgendwann ganz.

Und wir begannen ihn zu vergessen.

Eines Morgens, lange Zeit später, sahen wir die Katze auf dem Hof und sie war irgendwie anders. Erst achteten wir nicht darauf, denn eine Katze ist eine Katze, am einen Tag so und am anderen anders.

Die Sonne ging unter, die Gespräche drehten sich bereits um die Nacht, und wir alle hatten unsere Augen schon in die Ferne gerichtet.

Und plötzlich kam die Katze herein. Und hinkte.

© Paulinho Assunção / Michael Kegler 2007



nova cultura (issn 1439-3077) www.novacultura.de
© 2001/ 2007 Michael Kegler, sternstraße 2, 65719 hofheim / novacultura@gmx.de

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Paulinho Assunção
Paulinho Assunção

1951 in São Gotardo, Minas Gerais, Brasilien geboren. Dichter, Erzähler und Journalist. Seit 1979 gut ein Dutzend literarische Veröffentlichungen.  Außerdem ist er Inhaber des nach eigenen Angaben kleinsten Verlags der Welt, Edições 2 Luas in Belo Horizonte.
http://paulinhoassuncao.blogspot.com/


Die hier übersetzte Kurzgeschichte entstammt dem Band Pequeno Tratado sobre as Ilusões. Campo das Letras, Porto 2003. Dieses Buch wurde 1986 geschrieben, erhielt 1998 den renommierten Prêmio Guimarães Rosa um schließlich 2003 in Portugal veröffentlicht zu werden.


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