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Brasilianische Gedichte 1970 - 1990

Herausgegeben von Ellen Spielmann

P. Kirchheim
140 Seiten

DM 39,80 / € 18,50



Ob die zeitgenössische Lyrik Brasiliens tatsächlich, wie die Herausgeberin in ihrem Nachwort postuliert, «der Prosa überlegen ist», sei dahingestellt. Doch in der Tat gingen spätestens seit dem Modernismus der zwanziger Jahre wichtige kulturpolitische Impulse von der Lyrik aus. Die konkrete Poesie der Fünfziger wurde gar zum literarischen Exportartikel und befruchtet bis heute nicht nur die Literatur sondern auch bildende Künste und die Musik.

Doch die Vielgestaltigkeit der brasilianischen Lyrik erschöpft sich nicht in diesen zwei Markenbegriffen, verästelt sich in Strömungen und Individuen. Eine bestimmte Dominanz ist spätestens seit den Siebzigern nicht mehr auszumachen, zumal die zeitliche Nähe eine übergreifende Wertung und Gewichtung nicht mehr zulässt.  

Eine Antologie brasilianischer Lyrik von 1970 bis 1990 kann deshalb nur Schlaglichter setzen, auf Namen und Themen aufmerksam machen, eventuell vergessene Figuren wieder aufs tapet bringen, die Uneinheitlichkeit der Literatur in den bewegten und politisch ebenso uneinheitlichen siebziger und achtziger Jahren dokumentieren.

Dreizehn Lyrikerinnen und Lyriker hat Ellen Spielmann zu diesem Zweck gemeinsam mit einem Team von Übersetzerinnen und Übersetzern in diesem Band versammelt. Neben anerkannten und bekannten Namen wie Ana Cristina Cesar (Jahrgang 1952 und damit die jüngste Lyrikerin dieses Lesebuches, die allerdings bereits 1981 verstorben ist), Sebastião Uchoa Leite, Paulo Leminski, Duda Machado, Armando Freitas Filho, Adélia Prado oder Hilda Hilst, finden sich – als besonderes Bonbon – auch einige Texte und Zeichnungen des fast unübersetzbaren Zuca Saldanha, dem anarchischen und ex-Diplomaten, dem es (nicht zuletzt durch seinen Wohnsitz in Deutschland) immer wieder gelingt, dem traditionellen Literaturbetrieb zu entwischen.

Hintergründiger Witz ist ein Merkmal, das viele der 65 Gedichte dieser Antologie prägt. Andererseits betont Ellen Spielmann in ihrem kurzen Nachwort die «Vermittlung persönlicher, Alltäglicher Erfahrungen, die ohne Leidenschaft für das schwerwiegende `Wahre´und `Authentische´auskommt.» als ein Charakteristikum der jüngeren brasilianischen Lyrik. Dass es daneben durchaus immer wieder Anklänge an die übermächtigen Strömungen der Zwanziger und Fünfziger gibt, versteht sich von selbst.

Es ist ein Buch voller Überraschungen und großer Spannungsbögen, die, wie im Falle von «Anchietas Poetik» auch die großen Themen der Geschichte und der Gegenwart nicht außen vor lassen — Wenn auch auf die bereits erwähnte «unspektakuläre» Weise:

«Anchieta schrieb in den Sand
die Flut nahm es mit
Anchieta schrieb in den Sand
die Flut nahm es mit

Auf diese Art hatte der gute
Jesuit die Erfindung
des Computers gewissermaßen vorweggenommen»

(mk)
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