september / setembro
2001 |
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Pedro Rosa Mendes:
Tigerbucht
aus dem
Portugiesischen von Inés Koebel
415 Seiten
Ammann Verlag
DM 44,-- |
Eine Wahnsinns-Aktion,
von der der Autor selbst auf einer Lesung im vergangenen Jahr eingestehen
musste, dass er sich nicht vorstellen könnte, sie jemals zu wiederholen.
Die legendäre Expedition von Hermengildo Capelo und Roberto Ivens im
19. Jahrhundert, die seiner Reise von Angola nach Moçambique im
ausgehenden 20. Jahrhundert zum Vorbild diente, sei dagegen wahrscheinlich
ein Leichtes gewesen. Und Pedro Rosa Mendes ist als ehemaliger Kriegsreporter
einiges gewöhnt.
Das Abenteuer einer heutigen Expedition durch die Länder des südlichen
Afrika besteht nicht mehr in wilden Tieren, geographischen Unwägbarkeiten
und Kommunikationsproblemen mit fremden Kulturen, sondern in der Konfrontation
mit Zerstörung Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit. Von Minenfeldern,
Ruinen und bürokratischer Willkür einmal völlig abgesehen.
In seinem Bericht aus einem zerstörten Land verzichtet Rosa Mendes denn
auch auf jeden Sensationalismus und die in derartigen Büchern übliche
Selbstinszenierung. Im Vordergrund stehen Begegnungen mit Menschen, deren
Geschichten, Erlebtes, Erzähltes, Erträumtes, groteske Fundstücke
am Wegesrand, wie die des Mannes, der sich über und über mit
Solarzellen behängt, um sein Transistorradio zu betreiben, in einer
ehemals blühenden Stadt, in der es seit Jahrzehnten kein fließendes
Wasser mehr gibt.
Rosa Mendes reist in seinem Buch völlig unchronologisch
durch verwüstete Gegenden und zerbombte Städte, trifft
verstümmelte Menschen und seelische Krüppel. Die Erfahrung des
Krieges verblasst bisweilen angesichts der Traumata des Nachkrieges. Die
Erfahrung des elementaren Mangels, die der Autor oft genug am eigenen Leibe
spürt, ist Alltag geworden, die Improvisation im Beschaffen
überlebenswichtiger Güter hat hier nichts Witziges mehr, sondern
gehorcht nur noch den Gesetzen der blanken Not.
Dem politischen Abgesang auf die Hoffnungen des Befreiungskampfes, den Pepetela
1993 in seiner «Geração da Utopia» (Ed. Dom Quixote)
anstimmte, indem er die Lebenswege einer ehemals revolutionären politischen
Elite in die Korruption und/oder Resignation verfolgte, fügt Rosa Mendes
nun aus der Perspektive einer jüngeren, nicht mehr involvierten Generation,
eine Bilanz der mit bloßen Augen erkennbaren und der seelischen
Verheerungen hinzu. Eine Momentaufnahme, gewiss, aber auch eine
Zustandsbeschreibung einer ganz unspektakulären humanen Katastrophe
nicht abseits der Medienströme sondern an ihrem hinteren Ende, dort
wo eigentlich niemand mehr hinsieht.
Den Menschen die diesen Zustand als eine Normalität akzeptieren
müssen, zum großen Teil nichts anderes mehr kennen, weil sie
abgeschnitten sind von Kommunikationswegen, zurückgebombt in eine Steinzeit
der Trümmer, hat Rosa Mendes mit diesem Roman nicht nur Stimme und
Gehör geschenkt, sondern vor allem ein hochkarätiges literarisches
Denkmal gesetzt, in einer poetischen Sprache, die weit über das im
Journalismus Erlernte hinausgeht. (mk)
im September und Oktober ist Pedro Rosa Mendes auf Lesereise in Deutschland
und der Schweiz. Alle Termine in unserem
Kalender.
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veja na
internet:
www.baíadostigres.com
uma entrevista a Pedro Rosa Mendes na
mediabooks
Ein Ausschnitt der deutschen Übersetzung erschien vorab in
Lettre 45
Ein weiterer Text von Pedro Rosa Mendes über seine Reise steht in
Lettre 52
Mitschnitt einer Lesung an der
Uni Rostock
Edição portuguesa:

Baía dos Tigres.
412 páginas
DM 38,80 /
Euro 19.80
Pedro Rosa Mendes, repórter galardoado do «Público»,
partiu em Junho de 1997, com uma bolsa de criação literária
do Centro Nacional de Cultura, mochila às costas, máquina
fotográfica e gravador, para uma viagem de Namibe, ao sul de Angola,
onde se situa a Baía dos Tigres, a Quelimane, Moçambique,
atravessando o continente Africano de costa a costa, à semelhança
de Hermenegildo Capelo e Roberto Ivens, por picadas, rios e caminhos de ferro.
Regressaria três meses e meio depois desta viagem, carregado de
histórias bastantes diferentes das que aqueles exploradores certamente
encontraram. Histórias de ódio e de horror, de crueldade, num
continente onde uma guerra sem fim à vista, tem vindo a aniquilar
cada vez mais gente. Em mais de quatrocentas páginas, «Baía
dos Tigres» é um relato dessas histórias, como diz Alexandra
Lucas Coelho no suplemento Leituras, do "Público", «barroco,
denso, infernal. Fino, claro, transparente. Como acontece aos homens ser».
(informação da editora)
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