zé do rock
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ICH
SE SCHWARZ
In Dakar,
Senegal, fengt o 31 de dezembro ganz normal an. Vôrmittags nur ain
ráubversuch. Martin o tirolês, maina Princeza, a deutscha, e
ich o brasileiro übasideln grade in ain andro hotel, da commt ain de
lincs e bítet ain armband an, ain de rechts aina brille de sonne e
gláichzaitig will ain dritto wíssen wo wir hérkommen
e wie wir háissen. Man nennt Dakar a Paris da África, e wenn
schon cain Torre Eifel dann zumíndest sovil criminalidade. Oda ain
bisschen mer. De vercóifan umzíngelt wérden wir zwar
sténdig, aba os drai ham verdéchtig wênig ánzubiten.
Wir sind alarmados e lássen sie nich an únsere táschen.
Warum grade Dakar? Tja, ich wollte werend a wende de milênio nich
fríren, sóndan hémdsermelig spazíren. Also waren
Europa e sónstige continentes nae o polo norte áusgeschlossen.
Asiáticos e australianos ham de fáian caina ánung, in
a América do Sul war ich als brasileiro schon zu oft. In Schwarz
África gibt es noch ain par waisse fléquen für maina
coleçao de lenda. So cann ich o 1.1.00 mit main 110. land, Senegal,
fáian.
Alle leute in Dakar, a capital, spréchen francês, sowol os negros
wie os wáisse. E francês cönnen wir doch. Laida stéllen
wir hir fest, das a festa wegen Ramadan nich so ríchtig mit vollo
dampf celebrado wird. 80% dos senegaleses sind muçulmanos. Cönnen
sie dise Ramadan nich áusnamswaise verschíben? Oda ain mônat
longo ao cristianismo converter? Danach cönnen sie ja zurüc ao
Islam, wenn sie únbedingt máinen. Gut, os áinhaimischos
beháupten trotzdem félsenfest, das es aina festa an silfesta
gibt, wail o Ramadan um 12 ur nachts nix zu mélden hat. Ja e wie celebram
ir denn? Mit dançar, was sonst. Ja, so sind sie, os africanos.
Dançar zum carnaval, dançar zu ôstan, dançar zu
wáinachten e in a zwíschenzait dançam sie auch e
jámman dann, das sie nich imstande sind, tecnologia de spitze de produzir.
Dabai möcht ich in a nacht para o neuo milenio werk de feua de tecnologia
de spitze erlêben. Os africanos táilen maina fascinaçao
für o número mágico 2000 übahaupt nich, für
sie commt da vorn nix andas als ain gewönliches neues jar.
Normalmente éssen wir cain mittagessen, aba hoje is nich normalmente.
Wir gen ao restaurante Loutcha, wo's aine 30-sáitige spaise-carta
gibt, mit especialidades do Brasil, México, USA e 20 andros lenda,
sauercraut-chauercraut-chuercraut-chucraut-crucrut-chucrute inclusive. Auf
o weg dorthin wérden wir wida umzíngelt. Plötzlich wólle
sie fülen, de welch stoff únsere hôsen sind. Wir
vertáilen ain par tritte de fuss, schímpfen laut e sie gen
wida.
Um 17 horas cómmen Isolde, a deutscha, e Sami, o zairense, mit o bote
rápido de Gambia. Auf o weg ao háfen wérden wir ain
dritta mal umzíngelt, dismal scháffen sie's, ao Martin sain
passaporte claun. Da wird o tirolês aba böse e holt ihn sich
zurüc.
O bote rápido is zwar rápido, aba wenn es 2 horas spet
lôsfert, commt es halt 2 horas spet an. Da nützt alle schnelligcait
nix, wenn sie auf aine kafkaesca burocracia stösst. Alle gepec-stüque
wérden aif ain 100 qm-areal vertailt, untasucht, e dann wird o
áigentüma müsam in a ménschenmenge ermíttelt.
In o schnitt commt alle 12 minutos ain passageiro raus. Wenn únsere
freunde aos létzten passageiros gehören, wérden sie bai
disem tempo a passagem de milênio in disem gef´nagenen-depósito
verbríngen e erst nach 4800 minutos, das haisst an o 3. de janeiro
de 2000 fráicommen. Dráussen is es total dúnquel, e
aine meute chofers de táxi prügeln sich um os raros passageiros.
Wir verlássen o háfen um 21 horas mit aim schléchten
gewíssen. In o hotel is o plaisir-prazer umso grössa, Isolde
e Sami sind schon gemütlich instalados. In o bote war cain platz mer,
deswegen sind sie mit o ônibus gecómmen. Dort war zwar auch
cain platz mer, aba da is es nich nur normal sóndan a bedíngung
das er lôsfert.
Normalmente verlángen os choferes de táxi 10 marcos für
aina fart in o centro. Jetz muss unsa zairense árbaiten. sami is zwar
in o Senegal genauso ain áuslenda wie in Deutschland, aba o chofer
WAISS DAS NICH e verlangt für a fart ain marco. Dann cómmen wir
ángerannt.
O dinner is internacional wie o neuo milênio sain soll: 2 deutschos,
1 tirolês, 1 zairense e 1 brasileiro gen in Senegal ao coreano. A
éssen is gut, wir wérden nich áusgeraubt e dráussen
hört man nix. Um 23 horas wird es doch noch laut in o centro. Wir
begêben uns à Praça da Independência e nich nur
wir: a ganza populaçao de Dakar rennt schon hin. Dort wird es noch
lauta e bunta. A massa de ménschen bewegt sich vil e plötzlich,
um dos crachers e dos in a horizontal lôsgelassenos werke de feua
entcómmen. Irgendwie is da aina zímlich bedrôliche atmosfera.
Es schaut ea aus wie in Belgrad vêrend a visita da OTAN (NATO). Wenn
da ain pânico áusbricht, blaibt nich vil übrig.
Also doch vile bölla statt brot. Os deutschos cáufen wêniga
bölla um o geld stattdéssen à África schíquen,
aba os africanos cáufen mit disem geld cain brot sóndan
bölla.
Ja gut, Dakar is nich ríchtig África, aba bölla sind auch
nich ríchtig brot.
Sait aina hora schon cnallt es héftig, aba nich schön, wail privado.
Um mittanacht cómmen dann os werke de feua estatais, e das is doch
beáindruquend, obwol nich so bombástico wie vermútlich
in Paris oda New York.
Cômico/engrassado: bis hoje ham wir gedacht, es gibt cain werk de feua
aba vil dança, jetz is es o gêgentail: vil werk de feua e caina
dança. Cain úmarmung, nímand flippt aus, caina champanha.
Dagêgen ham os deutshos aina menge temperamento. Um 0:16 horas trifft
aina raquete únseren amigo Martin, e zwar nur cnapp nêben (2
cm) o epicentro de sain híntatail. Ich schetze das es aina privada
raquete war.
So so. So sit o neuo milênio aus. Caina ban magnética, cain
flígendes autos oda alles por druc de taste, schon nich in o Goldeno
Oeste, geschwaige denn in África. Stattdéssen vil lerm e o
penetrante geruch de schiess-pó. Wenn ich me da so úmschau,
muss ich schon ságen, ich se schwarz für África. Es gibt
zwar ain spectaculo de laser e música do band, aba ríchtig
guta atmosfera is es nich. Vilaicht fêlen doch os getrencs?
Um ain ur wóllen wie éndlich o neuo jar begíessen. Mit
bir, wail a champanha africana so gut is wie a Rolex africana. Danach gen
as damas schláfen e wir menna zin durch a lêben de nacht/noite
de dakar. Únsere gemáinsame sprache is deutsch, obwol wir alle
3 in Deutschland genauso áuslenda sind wie hir.
As discotecas sind messig besucht, drínnen sítzen maistens
damas de animaçao. Dançado wird schon, aba nur pelas damas
de animaçao. Wir bláiben nich longo, wail a bir sautoia is,
so das wir para as damas caine bire spendíren cönnen. Wer auch
anti-africano, hir ernêren as fraus os menna e nich o gêgentail.
Um 6:30 horas is alles vorbai. Wir nêmen ain táxi e Sami discute
mit o chofer. Er maint, wenn man 9 horas für os 200 kilômetros
de Gambia a Dakar braucht, wail as strassen/estradas so catastróficas
e polícia-verseucht sind, dann cann a regírung nich gut sain.
O zairense, der inzwíschen bávaro mit lincs cann, beháuptet
félsenfest, das aus dise continente nix wird, wênigstens nich
in os nextos 20 jare. Ich bin nich áinverstanden. In disa noite hab
ich pela ersta mal ain müllwagen in Schwarz África geseen. Wenn
das cain gut omen is.
Zurüc in o hotel, nem ich ain Aspirin, leg me hin e a chose/coisa mit
o milênio is gegéssen.
copyrait zé do rock, copywrong also zé do rock.
http://www.zedorock.net
Die Version dieses Textes
in "Ultradoitsch" oder so ähnlich erschien am
5.1.2000 im Feuilleton der "Zeit"
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