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Verwunschenes Feuer erfüllt den europäischen Himmel

Frankfurt, Deutschland — auf ihrer ersten internationalen Tournee und dem Repertoire ihres bei dem unabhängigen Label rEc bEat erschienenen, faszinierenden Debüt-Albums tourte die pernambucanische Band «Cordel do Fogo Encantado» auch durch verschiedenen Städte Europas. Das Konzert vor gut vierhundert begeisterten Zuschauern in der Freiluftarena des Frankfurter Palmengartens bildete den Abschluss einer Tour durch Belgien (das renommierte Sfinks-Festival), sechs Städte Frankreichs, u.a. Paris, und durch Deutschland, wo das Quintett (Clayton Barros, Emerson Calado, Nego Henrique, Rafa Almeida und Lirinha) insgesamt fünf Konzerte und zwei Workshops in Lörrach, Berlin und Frankfurt am Main gab.


Das Konzert im Frankfurter Palmengarten hätte nicht schöner sein können. Die Sonne schwebte lange über den Wolkenkratzern des europäischen Finanzzentrums und hielt ihre segnende Hand auf die fünf Musiker dort unten, die von weit her gekommen waren, mit Klängen, die von einem anderen Planeten erzählten. Lirinha, Clayton und Emerson aus dem Sertão Pernambucos, aus der siebzigtausend-Einwohner-Stadt Arcoverde. Rafa und Nego Henrique vom Morro da Conceição in Recife, der Mangrovenstadt in der – biologisch einmalig – intelligente Krebse zur Welt kommen (mehr darüber in der Kulturpresse). Geschmückt mit ländlichen Motiven, die auf Tafeln wie Mobiles von der Decke baumelten, wirkte die Bühne fast zu klein für den «Cordel» mit der schweren Perkussion und den vielen Effekten, die die Gruppe im Gepäck hat. Mit Bombo de macaíba, Zabumba, Surdo, Caixa und Pandeiro bewies sie den Deutschen, dass sie Naná Vasconcelos als Produzenten ihrer CD und einen ihrer größten Fans wahrlich verdient.

Hätte es nicht in biblischer Zeit die Verwirrung am Turmbau zu Babel gegeben, wären nicht tausende Sprachen überall auf der Welt entstanden, dann hätte das Publikum in Frankfurt auch noch die außerordentliche poetische Kraft der Texte des «Cordel do Fogo Encantado» spüren können. Worte vor allem aus der Werkstatt des bandleaders, dem Sänger, Dichter und Schauspieler Lirinha, einem 24jährigen mit leicht schlacksiger Erscheinung, der jedoch mit genau der messianischen Entschlossenheit singt, wie sie typisch ist für so viele Mythen des Nordosten, zum Giganten wird vor all denen, die seine brüchige und doch mächtige Stimme hören. «Dein Segen, Manoel Chudu / Mein wandernder Reim / Kommt Dich um Erlaubnis bitten / Um Wirklichkeit zu sein» Manoel Chudu, dessen Texte, wie die von Zé da Luz, Ciço Gomes, João Paraibano, Ivanildo Vilanova, und anderen, der eindrucksvollen Performance des «Cordel do Fogo Encantado» einverleibt wurden. Texte von einer solchen lyrischen Kraft und Vollendung, dass die Musik nur dazu dient, sie noch weiter zu tragen.

Antonio Gutierrez, Gutie, der Produzent der Gruppe, erklärt, dass die Show für Europa geändert werden musste. «Wir haben Gedichte von fünf, sechs Minuten Länge herausgenommen, wegen der Sprache, aber es hat gut funktioniert. Die Band hat vor bis zu fünftausend Menschen gespielt, in Belgien», freut sich Gutie, der auch verantwortlich ist für das Rec Beat Festival, das in jedem Jahr zu Karneval in der pernambucanischen Hauptstadt stattfindet. Auch Lirinha konnte seine Zufriedenheit über die erste Überseereise des «Cordel» aus dem Sertão nicht verhehlen: «Die Erfahrungen, die wir mit dieser Reise gesammelt haben, wird uns neue Möglichkeiten erschließen. Wir sind eingeladen worden, auch im kommenden Jahr in Europa zu spielen, was allerdings wenig Sinn hätte, wenn wir nur in Ethno-Festivals spielen müssten», meint der Sänger und haupt-Komponist der Gruppe.

Ihr anderes Ziel ist, ein gutes europäisches Label zu finden, um die CD auch hier herauszubringen. Gutie hat bereits interessante Kontakte gemacht, kann aber noch nicht garantieren, dass die Platte schon in diesem Jahr in den Regalen Europas steht. Doch «Cordel do Fogo Encantado» steht bereit, nicht nur das eigene Land zu erobern, sondern auch das Ausland. Zumindest Prince Vasconcelos Dubios, Meister Naná, attestiert, die Kunst der Gruppe sei «eine Musik, die Brasilien sich genau anhören sollte. Die Menschen werden konventionelle Instrumente vermissen, doch die Kraft des Cordel do Fogo Encantado liegt in der Poesie und der Perkussion, mit Rhythmen außerhalb aller Klischees.»

Felipe Tadeu
(Deutsch von Michael Kegler)

Felipe Tadeu

Felipe Tadeu, 39, lebt seit 1991 in Deutschland und
hat sich als Journalist auf brasilianische Musik spezialisiert. Für Radio Darmstadt produziert er die Sendung Radar Brasil. Bekannt is Felipe Tadeu auch unter dem Pseudonym DJ Fila.

email: brasilkult@aol.com








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