september / setembro
2001 |
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Verwunschenes
Feuer erfüllt den europäischen Himmel
Frankfurt, Deutschland auf ihrer ersten internationalen Tournee und
dem Repertoire ihres bei dem unabhängigen Label rEc bEat erschienenen,
faszinierenden Debüt-Albums tourte die pernambucanische Band «Cordel
do Fogo Encantado» auch durch verschiedenen Städte Europas. Das
Konzert vor gut vierhundert begeisterten Zuschauern in der Freiluftarena
des Frankfurter Palmengartens bildete den Abschluss einer Tour durch Belgien
(das renommierte Sfinks-Festival), sechs Städte Frankreichs, u.a.
Paris, und durch Deutschland, wo das Quintett (Clayton Barros, Emerson
Calado, Nego Henrique, Rafa Almeida und Lirinha) insgesamt fünf Konzerte
und zwei Workshops in Lörrach, Berlin und Frankfurt am Main gab.
Das Konzert im Frankfurter Palmengarten hätte nicht schöner sein
können. Die Sonne schwebte lange über den Wolkenkratzern des
europäischen Finanzzentrums und hielt ihre segnende Hand auf die fünf
Musiker dort unten, die von weit her gekommen waren, mit Klängen, die
von einem anderen Planeten erzählten. Lirinha, Clayton und Emerson aus
dem Sertão Pernambucos, aus der siebzigtausend-Einwohner-Stadt Arcoverde.
Rafa und Nego Henrique vom Morro da Conceição in Recife, der
Mangrovenstadt in der biologisch einmalig intelligente Krebse
zur Welt kommen (mehr darüber in der Kulturpresse). Geschmückt
mit ländlichen Motiven, die auf Tafeln wie Mobiles von der Decke baumelten,
wirkte die Bühne fast zu klein für den «Cordel» mit der
schweren Perkussion und den vielen Effekten, die die Gruppe im Gepäck
hat. Mit Bombo de macaíba, Zabumba, Surdo, Caixa und Pandeiro bewies
sie den Deutschen, dass sie Naná Vasconcelos als Produzenten ihrer
CD und einen ihrer größten Fans wahrlich verdient.
Hätte es nicht in biblischer Zeit die Verwirrung am Turmbau zu Babel
gegeben, wären nicht tausende Sprachen überall auf der Welt entstanden,
dann hätte das Publikum in Frankfurt auch noch die außerordentliche
poetische Kraft der Texte des «Cordel do Fogo Encantado» spüren
können. Worte vor allem aus der Werkstatt des bandleaders, dem Sänger,
Dichter und Schauspieler Lirinha, einem 24jährigen mit leicht schlacksiger
Erscheinung, der jedoch mit genau der messianischen Entschlossenheit singt,
wie sie typisch ist für so viele Mythen des Nordosten, zum Giganten
wird vor all denen, die seine brüchige und doch mächtige Stimme
hören. «Dein Segen, Manoel Chudu / Mein wandernder Reim / Kommt
Dich um Erlaubnis bitten / Um Wirklichkeit zu sein» Manoel Chudu, dessen
Texte, wie die von Zé da Luz, Ciço Gomes, João
Paraibano, Ivanildo Vilanova, und anderen, der eindrucksvollen Performance
des «Cordel do Fogo Encantado» einverleibt wurden. Texte von einer
solchen lyrischen Kraft und Vollendung, dass die Musik nur dazu dient, sie
noch weiter zu tragen.
Antonio Gutierrez, Gutie, der Produzent der Gruppe, erklärt, dass die
Show für Europa geändert werden musste. «Wir haben Gedichte
von fünf, sechs Minuten Länge herausgenommen, wegen der Sprache,
aber es hat gut funktioniert. Die Band hat vor bis zu fünftausend Menschen
gespielt, in Belgien», freut sich Gutie, der auch verantwortlich ist
für das Rec Beat Festival, das in jedem Jahr zu Karneval in der
pernambucanischen Hauptstadt stattfindet. Auch Lirinha konnte seine Zufriedenheit
über die erste Überseereise des «Cordel» aus dem Sertão
nicht verhehlen: «Die Erfahrungen, die wir mit dieser Reise gesammelt
haben, wird uns neue Möglichkeiten erschließen. Wir sind eingeladen
worden, auch im kommenden Jahr in Europa zu spielen, was allerdings wenig
Sinn hätte, wenn wir nur in Ethno-Festivals spielen müssten»,
meint der Sänger und haupt-Komponist der Gruppe.
Ihr anderes Ziel ist, ein gutes europäisches Label zu finden, um die
CD auch hier herauszubringen. Gutie hat bereits interessante Kontakte gemacht,
kann aber noch nicht garantieren, dass die Platte schon in diesem Jahr in
den Regalen Europas steht. Doch «Cordel do Fogo Encantado» steht
bereit, nicht nur das eigene Land zu erobern, sondern auch das Ausland. Zumindest
Prince Vasconcelos Dubios, Meister Naná, attestiert, die Kunst der
Gruppe sei «eine Musik, die Brasilien sich genau anhören sollte.
Die Menschen werden konventionelle Instrumente vermissen, doch die Kraft
des Cordel do Fogo Encantado liegt in der Poesie und der Perkussion, mit
Rhythmen außerhalb aller Klischees.»
Felipe Tadeu
(Deutsch von Michael Kegler) |
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Felipe
Tadeu, 39, lebt seit 1991 in Deutschland und
hat sich als Journalist auf brasilianische Musik spezialisiert. Für
Radio Darmstadt produziert er die Sendung Radar Brasil. Bekannt is Felipe
Tadeu auch unter dem Pseudonym DJ Fila.
email:
brasilkult@aol.com
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