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lula queirogaLula Queiroga und sein urbaner Viehhirtengesang

Lula Queiroga hat kürzlich bei Trama eine der interessantesten Platten veröffentlicht, die die Szene in Recife in jüngster Zeit hervorgebracht hat. «Aboiando a vaca mecânica» (dt.: Die mechanische Kuh antreiben) ist das erste Solo-Album des Künstlers, der 1982 auf der Lenine-Platte «Baque Solto» sein Debut hatte. Auf seinem ersten eigenen Album erweist er sich als Autor – und noch originellerer Komponist – mit durchgehend geistvollen Texten, als Musiker, der den Klanguniversum Pernambucos Aktualität verleiht und seinem heimischen Studio mit Namen Luni beats aus der Zukunft der Gegenwart entlockt.


«Aboiando a vaca mecânica» enthält fünfzehn Stücke, die den Hörer von der ersten Sekunde an fesseln. Die Geschichten, die Lula Queiroga singend zu erzählen hat, sind von höchster Aktualität, wie etwa beim Thema der Religiosität, wie sie gegenwärtig im Zentrum der Gespräche nach den teuflischen Angriffen auf New York, dem Mekka des fundamentalistischen Kapitalismus, steht: «Quem tem fé se levanta / quem não tem, canta assim: / I love de money» (Wer glaubt, steht auf / wer nicht glaubt, singt: / I love the money) wettert Lula, Gegner aller Religionen, gegen die politischen Vereinnahmungen im Namen Gottes. Arnaldo Antunes ist auch auf diesem Track mit Namen «Religion» zu hören und verbreitet seine schon traditionelle Anarchie.

Apropos special guests: Das erste Soloalbum Queirogas ist damit gut bestückt: von Felipe Falcão als Studiopilot bis zum Propheten des Kaos, Jorge Henrique Mautner, der nicht nur auf «Último minuto» erscheint, sondern auch den Covertext verfasst hat. Pedro Luís & A Parede beteiligen sich in kleiner Besetzung mit Mário Moura am Bass, Sidon an der Perkussion und dem Bandleader mit Gesang. Er ist auch, gemeinsam mit Lula Queiroga, Autor von «Noite Severina», einem wunderschönen «Xote» über die mysterien des Traums. Silvério Pessoa, dessen jüngstes Album «Bate o Mancá» Lula Queiroga produzierte, revanchiert sich hier mit «Instigado». Und das sind nur einige, die bei Lulas Viehtreibergesängen mitmischen. Lenine natürlich malt in Stimme und Gitarre auf dem wunderbaren «Rosebud», einem Stück aus seiner und der Feder des CD-Inhabers, und als Chorsänger in «Último Mundo»

Städtische Gewalt ist ein weiteres Thema, dessen sich Lula Queiroga in seiner Arbeit annimmt, schließlich lebte er fast zwanzig Jahre lang in Rio de Janeiro. In «Cano na cabeça» irritiert der Pernambucaner mit einem Kinderchor, der den Banditen-Refrain intoniert. Canibal, der Sänger der band «Devotos» tritt als dilettantischer Räuber auf, der seinen Opfern die Taschen leert, ohne ihre Papiere haben zu wollen. Was soll er schon mit ihnen anfangen, in einem Land, in dem die Bürgerrechte ohnehin nichts wert sind? Auf «É nenhuma», dem tanzbarsten Stück der Platte, berühren Lula, Zé Brown (von Faces do Subúrbio) und Lulu Oliveira das Wesentliche des Menschseins: «Olhar pro lado e entender / o importante é a postura / que a pessoa assuma / o mais, a diferença é nenhuma» (Zur Seite schaun und begreifen / das wichtigste ist die Haltung / die der Mensch einnimmt / ansonsten ist der Unterschied gleich null).

Und so steht es im Aurélio: «Aboio ist ein melodischer, klagender Sprechgesang zu den Rindern in trauriger und monotoner Stimmlage, mit der die Herde angetrieben wird.» Doch im Fall des Viehtreiberrufes des Lula Queiroga – der, nebenbei gesagt,  kein großer Sänger ist –, der glückliche und gezeichnete Rinder antreibt und umherstreunendes Vieh beruhigt, scheint dem Journalisten, der sich für befähigt hält, die Arbeit eines Musikers zu beurteilen, nichts dringlicher als zum Hören dieses neuen Werkes des Pernambukaners aufzurufen.

Felipe Tadeu
brasilkult@aol.com
(Deutsch von Michael Kegler)

Felipe Tadeu

Felipe Tadeu, 39, lebt seit 1991 in Deutschland und
hat sich als Journalist auf brasilianische Musik spezialisiert. Für Radio Darmstadt produziert er die Sendung Radar Brasil. Bekannt is Felipe Tadeu auch unter dem Pseudonym DJ Fila.

email: brasilkult@aol.com


in früheren ausgaben:
verwunschenes feuer erfüllt den himmel europas








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