|
|
Solo für Bina Bausch Caetano Veloso
brilliert auf dem Festival der deutschen Choreografin
Wuppertal Der «sanfte Barbar» aus Santo Amaro beschloss
seine diesjährige Europa-Tournee mit einem Konzert am 14. Oktober auf
dem Internationalen Kulturfestival der berühmten Choreografin Pina Bausch
und ihrer Compagnie, dem Wuppertaler Tanztheater. Caetano, der bereits 1998
eine der Hauptattraktionen auf der 25-Jahrfeier des Ensembles gewesen war,
spielte diesmal solo in Französisch, Italienisch, Spanisch, Englisch
und natürlich in Portugiesisch und riss von Anfang an sein ebenso heiteres
wie begeistertes Publikum mit sich .
Es war eine würdige Hommage an diese Künstlerin, die mit
Tänzerinnen und Tänzern aus den verschiedensten Teilen der Welt
arbeitet, und die Caetano begeistert, seit er vor Jahren im Teatro Municipal
Rio de Janeiro die Aufführung von «Um Grito ouviu-se na Montanha»
erlebte. «Ich war vollkommen fasziniert vom Geist ihrer Arbeit, das
ein beeindruckendes Leben verkörpert, eine Seltenheit in den darstellenden
Künsten», versichert Caetano, der bereits 1999 den Karnevalsmarsch
«Dama das Camélias» aus der Feder von Braguinha und Alcir
Pires Vermelho als Hommage an Pina Bausch für sein Album «Omaggio
a Federico e Giulietta» einspielte.
Das diesjährige Festival, vom 12. bis zum 28. Oktober präsentierte
als Höhepunkte den japanischen Tänzer und Choreographen Saburo
Tesigawara, den ungarischen Violinisten Felix Lajkó sowie den spanischen
Regisseur Pedro Almodóvar, von dem drei Filme auf dem Festival
gezeigt wurden. Ein weiterer Brasilianer auf der Einladungsliste von Pina
Bausch war der pernambukanische Perkussionist Naná Vasconcelos. Daneben
wurden selbstverständlich verschiedene Werke von Bausch
selbst aufgeführt, wie «Die sieben Todsünden», «O
Dido» sowie ihr jüngstes «Brasilienstück», mit dem
sie in aller Welt Erfolge feiert.
Charisma unter Beweis
Das Konzert hätte gut und gerne länger dauern können als seine
achtzig Minuten. Das Publikum auf den ausverkauften sechshundert Plätzen
im Schauspielhaus hatte an die achtzig Mark bezahlt und schien nicht mehr
nach hause gehen zu wollen, nachdem es «Coração
Vagabundo», «Cajuína», «Menino do Rio»,
«Terra» und das puertoricanische «Lamento Borincano»
gehört hatte. «Manhatã», ein Stück, das Caetano
über Manhattan, New York geschrieben hatte und bereits 1997 auf seiner
CD «Livro» veröffentlichte, war aus aktuellem Anlass ins Programm
aufgenommen worden. Seine Verse gewannen nach den Angriffen auf das World
Trade Center an Tragik: «Allen Menschen der Welt / richten den Blick
in diese Richtung» (
) «Und hier tanzen Kriege / inmitten
des Friedens der Wohnungen der Liebe».
Caetano begann seinen Auftritt sehr schüchtern, doch bereits seine Reverenz
an Bertolt Brecht und Kurt Weill mit «Stars fall on Alabama» deutete
an, dass der Tropicalist auf das Ereignis eingestimmt war. Und das
Bühnenbild hätte nicht glücklicher gewählt worden sein,
mit einer felsigen Küstenlandschaft, die Peter Pabst für das
Stück «Masurca Fogo» geschaffen hatte, das einige Minuten
zuvor dort aufgeführt worden war. Wie am Strand reiste Caetano so von
«Qualquer Coisa» bis «Leãozinho» und verbreitete
sein breites Lächeln, das die Karikaturisten so lieben. Die für
den Künstler ungewohnte Passivität des Publikums,
überspielte Caetano mit Hilfe der wenigen Brasilianer im Publikum, die
auch prompt seiner Bitte entsprachen.
Ein Höhepunkt des Abends war ein Kommentar Caetanos zu Peter Pabst,
dessen «Masurca Fogo» er in São Paulo zum ersten mal erlebt
hatte. Er hatte sich damals vorgestellt, in einer Szene, in der die
Tänzerinnen auf den Felsen liegen, «Garota de Ipanema» zu
singen. Der Choreograf hatte dem unfreiwilligen Vorschlag begeistert zugestimmt,
und als Caetano nun den Klassiker von Tom Jobim und Vinícius de Moraes
anstimmte, kamen Pina Bauschs Tänzerinnen auf die Bühne zurück,
um sich sonnenbadend auf die Felsen im Bühnenbild zu räkeln. Das
Publikum feierte und mit ihm ein vollkommen entzückter Caetano Veloso.
Felipe Tadeu
brasilkult@aol.com
(Deutsch von Michael Kegler)
Links:
pina-bausch.de
caetanoveloso.com.br |
|
Felipe
Tadeu, 39, lebt seit 1991 in Deutschland und
hat sich als Journalist auf brasilianische Musik spezialisiert. Für
Radio Darmstadt produziert er die Sendung Radar Brasil. Bekannt is Felipe
Tadeu auch unter dem Pseudonym DJ Fila.
email:
brasilkult@aol.com
|
|
|
|
|
nova
cultura (issn 1439-3077)
www.novacultura.de
© 2001 Michael
Kegler, sternstraße 2, 65719 hofheim /
novacultura@gmx.de
TFM-Zentrum für Bücher und Schallplatten
in portugiesischer Sprache
www.tfm-online.de
disclaimer
/
Haftungsausschluss
|
|