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John LennonBrasilianer singen Lennon




Viele der wichtigsten Namen der Música Popular Brasileira, die in den so fruchtbaren sechziger Jahren in Erscheinung traten, begannen ihre Karriere unter dem Einfluss des gefeiertsten Quartetts des Planeten, den Beatles. In einer Zeit, in der die Musikindustrie in eine Epoche der unaufhaltsamen Expansion eintrat, die weltweit die Fundamente für eine Popkultur legte, standen in Brasilien Figuren wie Gilberto Gil, Milton Nascimento, Caetano Veloso, Roberto Carlos und die Mutantes an der Spitze, mit einem Sound der deutlich von John Lennon, Paul Mc Cartney, George Harrison & Ringo Starr inspiriert war. Die Jungs aus Liverpol beeinflussten die Freunde der Bossa Nova auch was die Benimmregeln anging und brachten neue ästhetische Konzepte, die die Sprache der kommenden Bewegungen, wie Tropicalismo, Clube da Esquina und die Jovem Guarda ordentlich pfeffern (danke Sargent Pepper!) sollten.

Als Paul Mc Cartney beschloss, die Band im April 1970 zu verlassen, beendeten die Beatles eine bis heute in jedem musikalischen Genre unvergleichliche Laufbahn. Die Gruppe hörte auf, die Geschichte nicht. Die Käfer begannen ihre Soloflüge und John Lennon, der Intellektuelle unter den vieren und, angeregt von seiner Beziehung zu Yoko Ono, mitten in einer Phase des kreativen Ausbruchs, verfasste von da an eine Reihe von Liedern, die denen seiner Beatles-Phase in nichts nachstanden. Einige der wichtigsten Kompositionen aus dieser Zeit bilden das Repertoire des Albums »John Lennon – Dê uma Chance à Paz«, eine wunderbare Reminiszenz, die soeben in Brasilien bei »Geléia Geral« erschienen ist.

Die von Marcelo Fróes konzipierte und von dem Gitarristen und, neben Gilberto Gil, Mitinhaber des Labels Celso Fonseca koproduzierte Platte versammelt vor allem Künstler, die in den Achtzigern auf den Plan oder in ihre wichtigste Schaffensphase traten: Herbert Vianna (von den »Paralamas«), Lulu Santos und Lobão, zwei Überlebende der »Vímana«, einer Rockgruppe der Siebziger. Dazu von den »Titãs« Nando Reis und Charles Gavin, Moska, Toni Platão, Andreas Kisser von »Sepultura« sowie der Schlagzeuger João Barone, noch einer von den »Paralamas do Sucesso«. Aus der Generation der Sechziger sind da nur Milton Nascimento, Arnaldo Baptista und der Tropicalist Gilberto Gil. Caetano, Rita Lee und Erasmo Carlos konnten aus Termingründen nicht mitmachen, während die Dekade der Neunziger sehr gut vertreten wird duch Cássia Eller (die kürzlich im Alter von 39 Jahren verstorben ist), Zeca Baleiro und Zélia Duncan. Weitere Künstler auf dieser Platte sind der apokalyptische Zé Ramalho nordöstlichen Ursprungs, der Anfang der siebziger Jahren in sogenannten goldenen Süden (São Paulo, Rio) sesshaft wurde und Celso Fonseca.
Das Resultat ist eine wunderbare, sehr gut aufgenommene Platte, die, auch wenn sie nicht gerade mit innovativen Interpretationen aufwartet, mit dem hohen Grad an Identifikation beeindruckt, den die Musiker dem Werk des englischen Künstlers entgegenbringen. In den fünfzehn Stücken der Platte hört man ein hochkarätiges Team, das Lennon singt – kongenial.

Heraus ragen Zeca Baleiro mit dem emblematischen »Mother«, das er bereits auf seinen Tourneen durch Brasilien im Repertoire hatte, Toni Platão, der seine samtene Stimme in einer bossanowistischen Version von »Bless You« à la Jim Morrison (!) zur Geltung bringt und Moska, ein unsteter Künstler mit unzweifelhaftem Talent, der eine perfekte Aufnahme von »How do you sleep?« beisteuert, dem Sprengsatz Lennons auf den Ex-Partner Paul, das bereits unter dem Einfluss des japanischen Kobolds Yoko entstand.

Lulu Santos, ganz im Banne der Geburt seines ersten Enkels während der Aufnahmen, gibt sich sanft mit »Beautiful Boy«. Es hat die selbe rhythmische Substanz wie »Como uma Onda« und all seine anderen Ukulele-Hits für den späten Nachmittag und ist eine recht gute Umsetzung des Liedes. Und der ehemalige »Mutant« Arnaldo Baptista tritt als besondere Attraktion der Platte auf, war er doch schon seit Jahren aus dem Rampenlicht verschwunden.

Das Album »John Lennon – Dê Uma Chance è Paz« (John Lennon – Gib dem Frieden eine Chance) kam auf den Markt in einem Augenblick, in dem die Angriffe auf die Türme von New York die Gefahr eines weltumspannenden Konfliktes wieder entzündeten. Es ist eine interessante Platte für alle, die das Solo-Repertoire John Lennons lieben und für die, die nicht leben können, ohne jemanden wie Cássia Eller zu hören, die kraftstrotzende Sängerin, die uns so früh verließ.
»Woman is the Nigger of the World«, das geht nur mit ihr, mit aller Macht!


Felipe Tadeu
brasilkult@aol.com

Deutsch von Michael Kegler

Felipe Tadeu

Felipe Tadeu, 39,
ist Journalist und auf brasilianische Musik spezialisiert  und produziert für Radio Darmstadt das Programm Radar Brasil. Er lebt seit 1991 in Deutschland und ist auch bekannt unter dem Pseudonym DJ Fila.
email: brasilkult@aol.com


in früheren ausgaben:

»verwunschenes Feuer erfüllt den Himmel Europas«


»der urbane Viehhirtengesang des Lula Queiroga«
»solo für Pina Bausch«
»As Sílabas – Suzana Salles, so gut wie nie«








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