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Brasilien – ein Aquarell
Noch bis zum 27. Januar sind in der Brasilianischen Botschaft in Berlin die zwischen 1934 und 1950 entstandenen Brasilien-Bilder des Böblinger Malers Fritz Steisslinger zu sehen. Die in Berlin zu sehende Ausstellung, zu der im Wasmuth-Verlag bereits Ende 2010 ein prächtiger Bildband erschienen ist, zeigt denn auch überwiegend idyllische Motive eines eher ländlichen Brasilien: Landschaften, Menschen, Ochsenkarren, das Meer … Vor allem beeindrucken Steisslinger, wie auch den Betrachter, die Farben, das Licht, die Intensität, die er mit kräftigem Pinselstrich auf Papier oder Leinwand bannt. Steisslingers Brasilien ist ein üppiges, leuchtendes und scheinbar unglaublich fruchtbares Land: Die Fazenda seines Schwagers ist ein häufiges Motiv. In Kenntnis der Hintergründe, die in Texten von Eva-Marina Froitzheim von den Städtischen Galerien Böblingen sowie den Kunsthistorikern Martina Merklinger und Hans-Jürgen Imiela gut dokumentiert werden, meint man auch den eher vorsichtigen, ängstlichen Künstler zu erkennen, der zwar den mutigen Schritt wählt, ihn aber jederzeit mit Bedacht zu tun versucht. Getrieben von einer (wie es Eva-Marina Froitzheim ausdrückt) »lebenslangen Sehnsucht nach anderen Orten« versucht Steisslinger, inzwischen im Ruhestand, von 1948 bis 1950 abermals in Brasilien Fuß zu fassen, kehrt aber auch diesmal wieder ins Schwäbische zurück. So sind Steisslingers Bilder inzwischen auch eine Art Zeitdokument, gleichzeitig zeigen sie aber auch eine fast zeitlose, deutsche Sicht auf Brasilien als ein Land der Träume, der Projektionen, der Sehnsucht, die sich - anders als ihm heutigen Zeitalter der Flugreisen und Kurztrips - nicht auf Strände, Musik und Großstädte richtet, sondern auf die Landschaften, deren üppige Farbgebung nicht nur Steisslinger fasziniert: Steisslingers Ochsenkarren, seine Hafenstädte und seine Porträts ähneln den Motiven, die auch heutige Touristen im brasilianischen Landesinneren wählen. Seine Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde sind so etwas wie die Matritze der »anderen« Sehnsucht nach Brasilien jenseits von Strand und Karneval. Michael Kegler
Sehnsucht Brasilien / Saudade do Brasil. 144 Seiten mit 59 farbigen Abbildungen Ernst Wasmuth Verlag, 2010 |
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